Unmarkiert auf Papst- und Kleinhennersdorfer Stein

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Wir wollen zuerst den Papststein über den kaum bekannten Förstersteig erklimmen. Eine ausführliche Beschreibung dieses Weges finden wir im Buch Bergpfade & „andere Wege“ im Sandstein, Band II aus dem Stiegenbuchverlag (Autor Axel Mothes).

Förstersteig

Der Förstersteig auf dem Kartenausschnitt einer Open Street Map Karte – Copyright: Creative Commons Attribution Share Alike-Lizenz 2.0

Unsere Wanderung beginnt am Parkplatz ‚Galgen‘ (kostenpflichtig) zwischen den beiden großen Tafelbergen Gohrisch und Papststein gelegen. Wir gehen zunächst in südlicher Richtung am Fuß des Papststeins entlang bis zum Wegweiser am Hans-Förster-Weg (Weinleitenweg). Wenige Meter weiter stoßen wir auf einen riesigen Felsbrocken, der den eigenartigen Namen ‚Schlickerschlacker‘ trägt. Der Sandsteinblock stammt von einem vor mehreren hundert Jahren erfolgten Felssturz am Papststein. Auf der Südseite des Steins sehen wir Bearbeitungsspuren. Welchem Zweck die Stufen dienen sollten, bleibt unklar. Vielleicht wollten unsere Vorfahren den Block zerlegen und den Sandstein als Baumaterial nutzen.

Schlickerschlacker Schlickerschlacker Förstersteig: am Beginn kein Weg zu finden Förstersteig: am Beginn kein Weg zu finden

Direkt oberhalb des ‚Schlickerschlackers‘ befindet sich die Talstation des Lastenaufzugs für die Gaststätte auf dem Gipfel des Papststeins. Hier in der Nähe soll ehemals der Förstersteig begonnen haben, den wir für den Gipfelaufstieg nutzen wollen. Leider ist vom Anfang des Pfades heute nichts mehr zu sehen. Wir müssen also den Aufstieg durch den hohen Farn beginnen. Je näher wir an das Felsmassiv des Papststeins kommen, umso lichter wird das Unterholz. Wir treffen auf eine Pfadspur, die uns zunächst in nordwestlicher Richtung am Felsfuß entlang führt. Bald sehen wir eine tiefe Einkerbung und am Ende der Kerbe eine Stufenreihe, die uns den Weg nach oben weist. Wir erreichen eine Terrasse und halten uns rechts. Vor uns taucht der Kletterfelsen Papst auf.

Förstersteig: erste Pfadspur Förstersteig Förstersteig - erste Stufenreihe Förstersteig - Blick zurück in die Aufstiegskerbe

Wer mit der Beschreibung des oben genannten Buches von Axel Mothes unterwegs ist, wird jetzt vielleicht einige Schwierigkeiten mit der Orientierung bekommen. Leider hat der Autor den nach seiner Meinung „unbedeutenden Kletterfelsen“ in seine Skizze nicht eingetragen. Am Papst sind zumindest in der Klettersaison und am Wochenende bei schönem Wetter immer Kletterer aktiv. Denn so unbedeutend ist der Felsen nicht. Er wird gern von Familien genutzt und auch von Kletterkursen, wie wir bei unserem Aufstieg sehen können. Auf dem nachfolgenden ersten Foto habe ich bewusst den „Lehrer mit Toprope-Sicherung“ festgehalten – kein schönes Lehrbeispiel für das Klettern im Elbsandstein. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Kletterkurs am Papst mit Toprope-Sicherung Blick in den Einstiegskamin des AW am Papst Förstersteig - Aufstieg direkt gegenüber des AW am Papst Förstersteig - Blick zur Wirtshausstiege

Auf der Suche nach dem weiteren Aufstiegsweg entlang des Förstersteigs gibt es eine ganz einfache Orientierungshilfe. Wir gehen in die Scharte zwischen Massiv und Kletterfelsen Papst hinein (also in östliche Richtung). Der Kletterfelsen Papst weist einen sehr markanten Einschnitt auf. Es ist der Kamin, durch den der Alte Weg (AW I) zum Gipfel führt. Fast genau gegenüber am Massiv führt der Förstersteig weiter empor. Bald stoßen wir auf einige weitere Steinstufen, sehen (bestimmt andere) Wanderer über die Stahlleitern der Wirtshausstiege nach oben gehen, und werfen einen Blick nach rechts auf den Papstgipfel (also den Gipfel des Kletterfelsens). Fast unvermittelt taucht vor uns die Gipfelstation der Materialbahn auf und gleich danach der Feuerwachturm des Papststeins. Wir haben den Gipfel erreicht und können gleich die herrliche Aussicht genießen.

Förstersteig - oberer Teil Förstersteig - Blick zum Papst-Gipfel (Kletterfelsen) Förstersteig - Bergstation der Materialseilbahn Förstersteig - Gipfel mit Feuerwachturm

Nach einer Gaststättenrast – wir waren an diesem Tag erst am späten Vormittag aufgebrochen – setzen wir unsere Wanderung fort. Das nächste Ziel heißt Kleinhennersdorfer Stein. Auf dem mit rotem Punkt markierten Sattelsteig könnten wir einen Großteil des Weges bequem zurücklegen. Aber wer will das schon? Wir jedenfalls nicht. Wir gehen den markierten Weg nur ein Stück über den Gipfel und suchen den schmalen Pfad, der uns an den beiden Hunskirchen – zwei sehr markanten und beliebten Klettergipfeln – vorbei ins Tal führt. Es gibt keine Markierung für diesen im unteren Teil als Kletterzugang genutzten Weg.

Der obere Teil des Sattelsteigs und der Hunskirchensteig auf dem Kartenausschnitt einer Open Street Map Karte - Copyright: Creative Commons Attribution Share Alike-Lizenz 2.0

Der obere Teil des Sattelsteigs und der Hunskirchensteig auf dem Kartenausschnitt einer Open Street Map Karte – Copyright: Creative Commons Attribution Share Alike-Lizenz 2.0

Der Screenshot der Open Street Map Karte soll der Orientierung dienen. Wir bleiben immer möglichst dicht am Felsen und wenden uns in nordwestlicher Richtung vom markierten Sattelsteig ab. HunskirchensteigHunskirchensteigDer Pfad verläuft fast bis zur Kleinen Hunskirche nahe der Felswand. Schließlich stehen wir vor dem genannten Kletterfelsen (direkt vor uns der AW III oder IV). Ab jetzt geht es recht steil nach unten, zunächst wenige Meter nach Süden in den gut zu erkennenden Einschnitt hinein und danach auf deutlich sichtbarem Weg, der später sogar durch Holzstufen ausgebaut ist, ins Tal. Wir gelangen auf die ‚Alte Rietzschgrundstraße‘.

Wie es weiter auf den Kleinhennersdorfer Stein über einen wenig bekannten Aufstieg geht, und was es dort alles zu erkunden gibt, könnt ihr im nächsten Blogbeitrag lesen…

Ein eigener Kommentar zum Abschluss:

In meinem Blogartikel „Gohrisch und Papststein – Mainstream?“ vom 31. Mai 2012 hatte ich ausgeführt: Es gibt … einen Aufstieg, auf dem wir ganz allein sein werden, den Förstersteig, der in der Nähe des Felsens mit dem merkwürdigen Namen ‚Schlickerschlacker‘ beginnt. Den Weg werde ichnicht beschreiben. Der Zugang ist nur schwer zu finden…

Jetzt also doch die detaillierte Beschreibung mit vielen Fotos. Woher kommt der Sinneswandel? Dieser beruht auf einem Buch und dem daraus resultierenden Artikel in der Sächsischen Zeitung.


Im Buch Schritt für Schritt: Wanderungen durch die Weltgeschichte schreibt Manuel Andrack im Kapitel ‚Der Wanderanarchist und die Schwedenlöcher‘ auf Seite 192 ff.

Zitat: „Arndt Noack ist der Jäger der verbotenen Wege…Der Sachse ist leidenschaftliches Mitglied der Stiegen- und Wanderfreunde… Wie Robin Hood gegen den Sheriff von Nottingham, so kämpfen sie als Vertreter der entrechteten Wanderer gegen die Nationalparkverwaltung der Sächsischen Schweiz…Die Nationalparkverwaltung hat in einigen Gebieten der Sächsischen Schweiz bis zu 80 Prozent der traditionellen Wanderwege gesperrt…  geht man mit Arndt den mittlerweile verbotenen Weg hinauf zum Papststein … kommt sich vor wie Indiana Jones … hohe Farne am Wegesrand und vermooste Stufen…“

Die Sächsische Zeitung veröffentlicht in der Ausgabe Sebnitz am 09.08.2016 einen Artikel von Carina Brestrich unter dem Titel ‚Wanderpapst verärgert Nationalparkwächter’

Zitat: „Mit seinem neuen Buch sorgt Manuel Andrack für Aufregung…Der Nationalparkverwaltung gefällt die schlechte PR freilich nicht, zumal der Text kurz vor dem Deutschen Wandertag erschien. Nationalparkleiter Dietrich Butter sieht die Fakten teils falsch dargestellt. Der vermeintlich illegale Weg zum Papststein, wie ihn Andrack mit Noack lief und beschreibt, ist nämlich tatsächlich erlaubt. Er liegt wie 75 Prozent der Nationalparkregion im Landschaftsschutzgebiet. Bis auf wenige Ausnahmen könne der Wald dort zum Zwecke der Erholung überall betreten werden…“

Nun wird kaum einer der Buch- oder Zeitungsleser wissen, über welchen Weg sich die Gemüter so erhitzten. Wer diesen Blogartikel gelesen hat, kennt den Casus Knacktus jetzt. Und vor allem: Der Förstersteig darf begangen werden, wie der Leiter der Nationalparkverwaltung laut SZ festgestellt hat. Auch wenn wir den ersten Teil des Pfades erst durch das Farnkraut treten müssen 😉

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Eine Antwort auf Unmarkiert auf Papst- und Kleinhennersdorfer Stein

  1. Wanderbär sagt:

    Ja ja, die Skizzen von Axel sind eben nur als eine von vielen möglichen Realitäten zu sehen. Aber machs für den geneigten Leser nicht noch schwerer – der Förstersteig findet sich im Band III der benannten Reihe.
    Ein schöner Weg ist es jedenfalls und genau in der beschriebenen Abfolge zu empfehlen.

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