Gute Aussichten (5)

Blick vom Kleinhennersdorfer Stein

Vor fast sechs Jahren hatte ich in einer kleinen Serie über Aussichtspunkte in der Sächsischen Schweiz berichtet, die fernab der Touristenströme liegen.

Gute Aussichten (1)Gute Aussichten (2)Gute Aussichten (3)Gute Aussichten (4)

Jetzt möchte ich die Artikel mit einer Aussicht ergänzen, die ich bisher selbst noch nicht kannte. Nach einem kurzen Klettertag sprachen wir darüber, was wir denn noch unternehmen könnten. Wir standen am Räuberhöhlenturm und mein Kletterpartner fragte mich, ob ich denn die herrliche Aussicht auf dem Kleinhennersdorfer Stein kennen würde, eine „180-Grad-Aussicht“!

Kannte ich nicht. Ohnehin wird der Kleinhennersdorfer Stein mit seinem bewaldeten und zerklüfteten Gipfelplateau nicht unbedingt als Aussichtsberg beschrieben.

Bei Wikipedia lesen wir zum Beispiel (Zitat):
Aussicht
Aufgrund der geringen Höhe, der starken Bewaldung und der bereits stark fortgeschrittenen Erosion und Zergliederung des Gipfelplateaus bietet der Kleinhennersdorfer Stein im Gegensatz zu den benachbarten Steinen keine umfassende Aussicht. (Zitatende)

Stimmt nicht, wie wir noch sehen werden.


Der absolute Kenner des Gebirges, der Ersteller der bekannten Detailkarten im Maßstab 1:10.000, Dr. Rolf Böhm schreibt auf seiner Website (Zitat):
Wanderkarte Tafelberge - BöhmwanderkartenKleinhennersdorfer Stein
Der einsame Tafelberg
Der Kleinhennersdorfer Stein ist mein Lieblings-Tafelberg. Vielleicht auch, weil er nicht ganz so bekannt ist … Der Kleinhennersdorfer Stein gilt als Tafelbergruine von nur mäßiger Höhe…. Aussichten muss man etwas suchen, aber mit dem schönen Wald-Vordergrund sind sie dann umso reizvoller. Blick zum Rosenberg … (mit Foto) (Zitatende)

Das stimmt, aber einen Hinweis auf die wirklich grandiose Aussicht – siehe weiter unten – fehlt.
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Über Stiegen und Steige | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

So etwas wie Klettern

Döhlener Stein – AW II

In meinem Blogbeitrag vom 02.04.2018 unter dem Titel Quackensturm am Döhlener Berg hatte ich über meine ersten Erfahrungen mit den kleinen Granitfelsen berichtet, die mir so verlockend für Kletterversuche erschienen. Und mit meinen Schwierigkeiten der Zuordnung der Felsen zu einer mir vorliegenden Skizze. Vier Monate später stehen wir wieder hier. Jetzt allerdings mit dem Buch ‘Kletter- und Boulderführer Ostsachsen’ (DIN A6, 648 Seiten, Hardcover, laminiert, komplett farbig, Auflage 2014, Verlag Jürgen Schmeißer) in der Hand. Zunächst muss ich feststellen, dass einige Bilder in meinem Bericht vom April falsche Unterschriften tragen, das heißt, so ganz richtig konnte ich die Felsen nicht der Skizze zuordnen. Die fehlerhaften Bildbeschreibungen sind zwischenzeitlich geändert. Jetzt ist alles korrekt.

Doch nun zum eigentlichen Anliegen unseres zweiten Besuchs: Wir wollen möglichst viele der als Kletterfelsen ausgewiesenen Granitklippen besteigen, dazu zunächst die einfachsten Wege wählen. Ich beginne solo am Hromadnik über den AW II. Bis zum Gipfelaufbau ist der Weg eher als I zu betrachten, die letzten beiden Klettermeter sind etwas anspruchsvoller, würden sich aber über einen unterhalb des Gipfels stehenden Baum absichern lassen. Besonders das Abklettern vom Gipfelplateau ist mit der nötigen Vorsicht zu bewerkstelligen, eine Abseilöse gibt es nicht und gute Griffe sind rar. Hinzu kommt, dass die meisten Gipfel mit einer mehr oder weniger kompakten Moosschicht bedeckt sind, da alle von umstehenden Bäumen überragt werden. Auf dem Hromadnik finde ich das einzige Gipfelbuch des Döhlener Berges. Viele Besteigungen gab es in letzter Zeit nicht, wie man auf dem Foto erkennen kann.

Hromadnik Hromadnik - AW II Hromadnik - AW II Hromadnik - Gipfelbuch

Nächstes Ziel soll der Döhlener Stein sein. In der Talseite befindet sich der AW II, ein an sich sehr schöner und nicht zu kurzer Kletterweg. Leider sind die unteren Tritte völlig mit Moos bedeckt. Da wäre eine Bürste angebracht. Ungesichert will ich den Aufstieg nicht riskieren, wir nutzen deshalb den Uralten Weg I auf der Bergseite. Mit Klettern hat dieser Weg allerdings nicht viel zu tun. Für geübte Wanderer also kein Problem.

Döhlener Stein AW II Döhlener Stein - Uralter Weg I Döhlener Stein - Uralter Weg I Döhlener Stein - Uralter Weg I

Weiter geht es zur Priesterkanzel. Die hatte ich bei unserem ersten Besuch übersehen bzw. falsch zugeordnet. Der AW I lässt sich sehr gut klettern, ist nur leider sehr kurz. Eben eine typische Quacke. Immerhin sauber und moosfrei.

Priesterkanzel Priesterkanzel - AW I Priesterkanzel - AW I Priesterkanzel

Vierter Gipfel soll der Bewachsene Stein werden. Den Aufstieg I (zwei Bilder unter dem nächsten Absatz) bin ich schon am 2. April gegangen. Dieses Mal nehme ich den Leichten Weg II. Der ist zwar kürzer, hat aber immerhin ein paar (wenige) Kletterzüge. Zum Abklettern nehmen wir den Aufstieg I.

Jetzt geht es zum vielleicht lohnendsten der leichten Wege an den Jaroxit (Gespaltener Stein). Der Südkamin II ist schon ein richtiger Kletterweg, wenn auch nicht allzu lang. Auf dem Gipfel befinde ich mich dann wieder im Moosbelag, was in Kletterschuhen nicht besonders angenehm ist. Also mit der nötigen Vorsicht wieder zum Kamin zurück und diesen dann abgeklettert.

Bewachsener Stein - Aufstieg I Bewachsener Stein - Aufstieg I Jaroxit - Südkamin II Jaroxit - Südkamin II

Svantevit (Zwerg) - AW IIBleibt zum Schluss noch der Svantevit (Zwerg) übrig. Der ist kaum fünf Meter hoch. Der Zwerg erwies sich für mich als ‚Giftzwerg‘. Der Aufstieg über den AW II ist kurz und nicht schwierig, nur den ungesicherten Abstieg vom Gipfel wollte ich mir nicht zutrauen. Trotz eingehender Besichtigung finde ich keine geeignete Sicherungsmöglichkeit. Das heben ich mir also auf, vielleicht für nächstes Jahr und mit einem Sicherungspartner?

Nach dem Quackensturm wanderten wir ‚natürlich‘ noch bis zum Czorneboh-Gipfel und legten eine etwas späte Mittagsrast im Berggasthof ein (sehr zu empfehlen). Den Weg vom Parkplatz über den Döhlener Berg auf den Czorneboh und wieder zurück zum Ausgangspunkt hatte ich im bereits mehrfach genannten Blogbeitrag vom 2. April ausführlich beschrieben. Das erste (beim Rückweg dann natürlich letzte) Wegstück, was im April noch fast unbegehbar erschien (tiefe und schlammige Spuren der Forstfahrzeuge), ist jetzt wieder passierbar. Der Forst hat also gute Aufräumungsarbeit geleistet.

Fazit: Eine weite Anreise lohnt sich für Kletterer nicht. Eine schöne Wanderung mit kleinen Klettereinlagen (einige eignen sich auch für geübte Wanderer) ist es auf jeden Fall, wenn man bis zum Czorneboh weitergeht und die Teufelsmauer unterwegs besichtigt.

Veröffentlicht unter Kommentar | Hinterlasse einen Kommentar

Sächsische Schweiz: Betretungsverbot!

Copyright https://www.123gif.deUpdate 30.08.2018: Das Betretungsverbot wurde aufgehoben. Quelle: https://www.landratsamt-pirna.de/46011.htm

In einer am 20.07.2018 erlassenen „Allgemeinverfügung des Landratsamtes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge“ wird der Wald im gesamten Gebiet der Nationalparkregion Sächsische Schweiz in der Zeit zwischen 21.00 Uhr und 6.00 Uhr gesperrt. Damit ist nicht nur der Nationalpark gemeint sondern auch das Landschaftsschutzgebiet (links- und rechtselbisch). Boofen verboten!

Von 06:00 Uhr bis 21:00 Uhr ist das Verlassen der Waldwege untersagt. Die Allgemeinverfügung gilt bis zur Aufhebung der Waldbrandstufen 3 und 4.

Wenige Ausnahmeregelungen sind in der Verordnung nachzulesen, deren kompletter Wortlaut auf der Website der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz veröffentlicht ist.

Veröffentlicht unter Kommentar | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Zur Speisekammer und durch die Laufe in knapp fünf Minuten

 

 

Ein kurze Ergänzung zum Videoclip:
Wir bewegen uns hier zwar fast ausschließlich durch die Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz, aber nur auf gestatteten Wegen. Auf dieser Karte kann man es sich anschauen (Quelle: Website der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz).

Und um der Diskussion vorzubeugen:
Durch solche Beiträge locken wir nicht tausende Touristen in die besonders zu schützenden Gebiete des Nationalparks. Eine solche Behauptung ist durch nichts zu belegen. Diskutiert haben wir dies mit vielen Mitgliedern der IG Stiegen- und Wanderfreunde auf einer Wanderung mit der Nationalparkverwaltung bereits im Jahr 2012. Trotz wiederholter Beiträge von mir über das im Video gezeigte Gebiet, zum Beispiel im Artikel “Völkerwanderung zum Brand“, trafen wir am 08.07.2018 bei herrlichem Wetter fast keine Menschen während unserer Tour. Ganz genau waren es acht Wanderer auf dem markierten Weg durch den Tiefen Grund und zwei Kletterer am August (Kletterfelsen). Der Berggasthof Brand – dort legten wir eine abschließende Rast ein – war allerdings recht gut besucht. Dem Wirt sei es gegönnt.

Veröffentlicht unter Kommentar, Über Stiegen und Steige | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Steiganlage – 1000 Jahre alt

Aufstieg zum Castello in Xunantunich (Belize) In den letzten dreißig Jahren gab es für mich immer wieder einmal das große „Wow-Erlebnis“, als wir mit dem Nachtzug durch die Slowakei fuhren und ich bei Tagesanbruch zum ersten Mal richtig hohe Berge sah, die Hohe Tatra, als wir den Geysir Strokkur auf Island ausbrechen sahen, oder die Lavaeruptionen auf dem Stromboli…

Heute ist wieder einmal ein solcher Tag. Unvermittelt ragt die als Castello bezeichnete, 40 Meter hohe Mayapyramide von Xunantunich aus dem Regenwald. Wir sind in Belize unterwegs, haben glücklicherweise die von amerikanischen Touristen überrannten Ruinen von Tulum (Mexiko) hinter uns gelassen und stehen jetzt hier, fast ganz allein.

das 40 Meter hohe Castello - Maya Pyramide in Xunantunich (Belize)

das 40 Meter hohe Castello – Maya Pyramide in Xunantunich (Belize)

Die Maya-Ruinen von Xunantunich liegen etwa 13 Kilometer südwestlich von San Ignacio in Belize auf einem kleinen Hochplateau über dem Mopan-Fluss. Über den Fluss müssen wir mit einer handbetriebenen Fähre übersetzen. Das geht alles ganz gemütlich und entspannt zu.

Nur wenige Touristen sind unterwegs. Die Ruinenstadt liegt etwa 1,5 Kilometer vom Fluss entfernt. Wer nicht laufen will, kann einen Shuttleservice nutzen, der auf der Schotterpiste den kurzen Hin- und Rückweg überbrückt. Das ist bei über 30 °C ganz angenehm.

Der Name Xunantunich bedeutet “steinerne Frau” und wurde der Ruinenstadt von den Archäologen gegeben. Der ursprüngliche Name ist ebenso unbekannt, wie das für viele andere ausgegrabene Städte der Maya in Mittelamerika zutrifft. In Xunantunich gruppieren sich um sechs größere Plätze 25 Tempel und weitere Bauten, die meist zu religiösen Zwecken errichtet wurden. Überragt werden die bisher ausgegrabenen Anlagen vom Castello, einer Tempelanlage, die noch bis vor wenigen Jahren – vor der Entdeckung der Maya-Stätte Caracol – als höchstes Bauwerk Belizes galt. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Über Stiegen und Steige | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar