Die Rübezahlstiege des Bielatals

Blick zum Burgener Turm mit dem Castello (dahinter)

An einem der wenigen komplett trockenen Tage im August 2021 beginnen wir unsere Tour durch das Bielatal, die uns fast bis an die Grenze zu Tschechien führt. Im Gegensatz zu weiten Gebieten in der hinteren Sächsischen Schweiz ist der Wald hier noch einigermaßen in Ordnung, das heißt, die Fichten sind dem Borkenkäfer noch nicht komplett zum Opfer gefallen.

Der Parkplatz vor der Ottomühle ist die letzte Möglichkeit, um sein Auto abzustellen. Dann geht es für uns zu Fuß weiter. Der Bielgrundweg ist ein breiter Forstweg, meist geschottert und eher von Fahrradfahrern genutzt als von Wanderern. Nach etwa drei Kilometern verlässt der mit gelbem Strich markierte Wanderweg die Haupttrasse und führt Richtung Grenzplatte. Ganz so weit wollen wir aber nicht. Wir suchen den Kletterzugang, der uns zunächst zum Burgener Turm bringen soll. Deutlich zu sehen, ragt dieser aus dem Wald heraus. Der Kletterzugang ist gut markiert und führt zunächst mäßig steil, dann immer steiler bergan. Am Fuß des Burgener Turms folgen wir der Fußspur, die uns jetzt richtig steil bergwärts bis zur Hochscharte zwischen dem Burgener Turm und dem Kletterfelsen Castello führt.

Letzterer ist unser Ziel für heute. Wir wollen nach Meinung der Kletterer (siehe dazu Teufelsturm.de) die „leichteste Eins“ des Bielatals bezwingen. Ein Kommentator meinte dazu vor 20 Jahren: „Die Rübezahlstiege ist deutlich anspruchsvoller…“. Meine eigene Bewertung stelle ich ganz an das Ende dieses Beitrags. Ich weiß schon, was mich heute erwartet, denn ich war hier schon mehrmals. Meine beiden Begleiter allerdings noch nicht. Deshalb sind wir heute hier.

Castello und Burgener Turm hier wollen wir hoch Blick in den Alten Weg I am Castello schön gestuft und gut zu sichern geht es nach oben

Ungesichert sollen meine beiden Nachsteiger nicht hier hoch. Deshalb legen wir den Klettergurt an und ich nehme noch ein paar Bandschlingen mit. Die lassen sich hier gut als Zwischensicherungen verwenden und helfen am Gipfel und beim Abseilen zum Sichern. Über Blöcke geht es stufenweise Richtung Gipfel. Schwer ist die Kletterei nicht. Es geht schon in Richtung Rübezahlstiege. Zumindest ist der Weg von seiner Länge her lohnend. Da gibt es deutlich kürzere Einser im Bielatal, die aus meiner Sicht auch nicht schwieriger sind (Wigwam, Doggenturm). Kurz unterhalb des Gipfels muss man schon mal ordentlich zufassen. Die Abseilöse bietet sich dann gut als Sicherungspunkt für die Nachsteiger an.
Für drei Leute bietet der Gipfel ausreichend Platz. Gipfelblick vom Castello - im Hintergrund der Hohe Schneeberg (Tschechien)Gipfelblick vom CastelloDie Sicht über einen Teil des Bielatals ist von hier oben grandios. Nur wenige Kletterer sind heute in diesem Teil des Bielatals unterwegs. Lediglich am nahe gelegenen Titan erreicht der Vorsteiger gerade den Gipfel.
Das Abklettern vom Castello ist für Ungeübte keine ganz leichte Angelegenheit. Zumindest die ersten drei Meter haben es in sich. Deshalb ist die Abseile für uns die bessere Lösung. Vor der Abseilöse gibt es einen sehr guten Standplatz. Mit ein wenig Übung geht es dann leicht bergab. Der Abseilweg ist durchaus lohnend, denn mein 40-Meter-Seil reicht gerade so bis zum Anfang des Kletterweges.

Gipfelbuch Gipfelbuch abwärts am Seil abwärts am Seil

Eine kurze Bewertung und Zusammenfassung von mir zum Alten Weg I am Castello:
Der Weg gehört sicher zu den leichtesten Aufstiegen im Bielatal und eignet sich damit auch sehr gut als erster Vorstieg für Kletterneulinge. Blick von oben in den AW I des CastellosabgeseiltHier lässt sich das Legen von Schlingen üben und die Abseilöse ist von einem sicheren Standplatz aus erreichbar. Da der Gipfel recht abgelegen ist, muss man als Anfänger auch nicht mit jeder Menge Schaulustiger rechnen. Unterschätzen sollte man solche Aufstiege dennoch nicht. Ohne Ausrüstung kann ich den Aufstieg nur denjenigen empfehlen, die über Klettererfahrung verfügen.

 

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Sardinien in „Vor-Corona-Zeiten“

Wandern und Kultur auf Sardinien

Sardinien - unterwegs am Monte Limbara

Unsere Reise nach Sardinien liegt bereits 22 Monate zurück. Damals schien die Urlaubswelt noch in Ordnung. So ganz war sie es aber auch im Herbst 2019 nicht (mehr). Während unseres Aufenthalts erfuhren wir von der Insolvenz des Großveranstalters Thomas Cook. Zum Glück waren unser “Rundumsorglospaket” nicht betroffen. Wir hatten die einwöchige Wandertour über den Dresdner Reiseveranstalter Eberhardt Travel gebucht unter anderem deshalb, weil der Veranstalter einen eigenen Charterflug ab Dresden-Klotzsche organisiert hatte.

Los ging es am 19. September früh am Morgen ab Flughafen Dresden nach Olbia, dem Flugplatz im Nordosten der Insel Sardinien. Ein Bustransfer brachte uns zur schönen Hotelanlage “Corte Rosada” bei Alghero an der Nordwestküste der Insel.

Flug von Dresden nach Olbia (Sardinien) Hotelanlage "Corte Rosada" bei Alghero Hotelanlage "Corte Rosada" bei Alghero Hotelanlage "Corte Rosada" bei Alghero

Die erste Wanderung führte uns am nächsten Tag zum Punta Giglio am Capo Caccia. Der Hinweg verläuft nahe der Küstenlinie mit herrlichem Meerblick bei sonnigem Wetter und angenehmen Temperaturen. Immer wieder schweift der Blick von den weißen Kalkfelsen der Steilküste in das türkisblaue Wasser und auf das gegenüberliegende Ufer der Bucht mit dem „schlafenden Riesen“.

Zurück geht es durch den Wald, der in der Mittagswärme angenehmen Schatten spendet. Die kleine Wanderung über 9 Kilometer und einem Anstieg bis auf 90 Meter über dem Meer endet am frühen Nachmittag. Es bleibt noch ausreichen Zeit für eine Stadtbesichtigung der Hafenstadt Alghero. Weiterlesen

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Verhagelt

Public Viewing beim EM-Spiel Deutschland – Portugal

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Neues aus den Medien

Online

Die IG Stiegen- und Wanderfreunde ist seit wenigen Tagen auf Instagram präsent. Reinschauen lohnt sich, allerdings ist dazu ein eigener Account notwendig.

Gedruckt

Kürzlich erhielt ich ein Ansichtsexemplar des Reiseführers „Sächsische Schweiz mit Dresden. Der Reiseführer für individuelles Entdecken von Detlef Krell enthält einen Verweis auf meine Website zwillingsstiege.de. Nach dem Studium des handlichen Exemplars werde ich eine Kurzrezension an dieser Stelle veröffentlichen.

Plakatiert

Dem katastrophalen Zustand der Wanderwege in der Hinteren Sächsischen Schweiz Rechnung tragend, hat die Nationalparkverwaltung Hinweistafeln im betroffenen Gebiet mit einem QR-Code ausgestattet, über den sich der Wanderfreund über gesperrte und unpassierbare Wege informieren kann (oder soll?). Ich empfehle zu diesem Zweck das Wegeforum auf sandsteinwandern.de.

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Wege weg, jetzt auch digital

Blick vom Großen Teichstein
Der Sächsischen Schweiz gehen die Wege aus. Sie verschwinden nicht nur in der Natur, sie sind plötzlich auch auf den digitalen Open Street Map Karten nicht mehr zu sehen. Je nach Version der eigenen GPS-App findet man sie in manchen Gebieten bei „Komoot“ noch eingetragen oder eben nicht. Diese Erfahrungen sammelten wir in den letzten Wochen mehrfach.

Aber der Reihe nach:
Drei heiße und trockene Jahre und ein kleiner Käfer, der allgemein als Borkenkäfer bekannt wurde, haben den von Menschen angepflanzten Fichtenwäldern so stark zugesetzt, das ganze Waldflächen mittlerweile abgestorben sind. Selbst bei Windstelle brechen tote Fichten in Sekunden zusammen, wie wir es selbst erleben mussten. Zum Glück passierte das etwa einhundert Meter von unserem Standort entfernt.

In der Hinteren Sächsischen Schweiz – speziell im Bereich zwischen dem Kleinen Zschand und Hinterhermsdorf – wurden in den letzten Monaten immer mehr Wanderwege unpassierbar. Mächtige Fichtenstämme legten sich quer über die Wege. Wir nennen das „Fichtenmikado“. Ein Foto aus dem Großen Zschand zeigt, weshalb diese Bezeichnung ihre Berechtigung hat.

Fichtenmikado

Fichtenmikado im Großen Zschand

Malerweg unterhalb des Großen PohlshornsViele Berichte unserer Wanderfreunde hatten uns schon auf die Situation aufmerksam gemacht. Wir wollten uns selbst einen Eindruck von der Situation verschaffen. Auf drei Wanderungen im Gebiet zwischen den Pohlshörnern und dem Kleinen Zschand sammelten wir Eindrücke, die unsere Vorahnungen noch weit übertrafen.

Ich werde an dieser Stelle die Wanderungen nicht beschreiben, denn zur Nachahmung empfehlen können wir sie nicht. Vielmehr möchte ich mit einer ganzen Reihe von Fotos den Zustand der Wege im März und April des Jahres 2021 dokumentieren, immer unter Beachtung der Tatsache, dass es sich hier nur um Momentaufnahmen handelt. Einerseits ist der Sachsenforst mit der Beräumung und dem Freischneiden der (Haupt-)Wanderwegen beschäftigt, andererseits verschlechtert sich der Zustand des Wegenetzes durch den Zusammenbruch vieler weiterer abgestorbener Bäume fast täglich. Weiterlesen

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