Riegelhofstiege downhill

Ein verfallender Rastplatz, Abstieg in den Riegelhof, eine umgestürzte Schutzhütte, ein Wald- oder Forstweg, der die Bezeichnung Weg nicht mehr verdient, die Überquerung der Rauensteins abseits der Touristenströme und ein Stück Asphaltstraße. Wenn diese kurze Zusammenfassung auf dein Interesse stößt, dann solltest du hier weiterlesen.

Riegelhofstiege

Am langen Wochenende nach dem 1. Mai war die Sächsische Schweiz wieder fest in der Hand der Touristen. Doch wir finden immer einen Weg abseits der Massen. So auch an diesem Sonntag, dem 4. Mai. Als Startpunkt wählten wir Naundorf bei Struppen. Vorteilfür uns: (relativ) kurze Anreise, kostenloser Parkplatz. Kurz nach 9.00 Uhr fuhren wir als zweites Auto auf den kleinen Parkplatz am Ende der Einbahnstraße „Am Bärenstein“.

Unsere Wanderung sollte uns zunächst auf den Gipfel des Großen Bärensteins führen. Hier sind wir schon beim wichtigen Hinweis: Wer diese Wanderung nachvollziehen möchte, benötigt unbedingt eine gute Wanderkarte und Orientierungssinn. Markiert ist nur ein ganz kleiner Teil unserer Tour und eine „Böhmkarte“ hilft hier leider nur teilweise. Die Karte „Bastei“, 1:10.000, endet direkt am Großen Bärenstein, weshalb ich die Karte „Vordere Sächsische Schweiz“, 1:15.000, vom Verlag Sachsen Kartographie GmbH Dresden und das Buch „Bergpfade & andere Wege im Sandstein“, Band III, vom Stiegenbuchverlag empfehlen möchte.

Abzweig Großer Bärenstein Schutzhütte am Großen Bärenstein Aufstieg zum Großen Bärenstein Gipfelblick vom Großen Bärenstein

Vom genannten Parkplatz in Naundorf folgen wir zunächst der Markierung roter Punkt Richtung Bärensteine. Kurz vor dem Ende der Ortsbebauung zweigt nach linkt ein mit rotem Strich markierter Wanderweg ab, der durch das Tal zwischen den beiden Bärensteinen verläuft und zum Rauenstein führt. Diesem Weg folgen wir nur etwa 100 Meter und biegen dann unmarkiert Richtung Großer Bärenstein nach links ab (siehe Foto). Unmittelbar hinter der Abzweigung treffen wir im Wald auf eine Schutzhütte und einen Rastplatz, dessen beste Tage allerdings längst vergangen sind. Tisch und Bank sind dem Verfall preisgegeben, die Schutzhütte macht jedoch noch einen recht guten Eindruck. Mäßig steigt der Weg zum Großen Bärenstein an, im Gipfelbereich wird es steiler. Der breite Gipfel ist völlig bewaldet, es gibt jedoch mehrere Aussichtspunkte. Einer davon befindet sich in der Verlängerung der Riegelhofstiege. Hier legen wir eine kurze Rast ein. Leider herrscht recht dichte Bewölkung. Der Wetterbericht hatte bessere Aussichten versprochen. Deshalb gibt es an dieser Stelle auch nur ein Gipfelfoto bei beschränkter Fernsicht.   Wenn man genau Ausschau hält, sieht man beim Weg über den Gipfel im Norden die hohen Felsen aus dem Riegelhof aufragen. Da wollen wir hinabsteigen. Durch die Riegelhofstiege. Das ist nicht ganz einfach und erfordert schon etwas Trittfestigkeit. An zwei oder drei Stellen müssen wir auch mal die Hände zu Hilfe nehmen. Unten angekommen treffen wir kurz nacheinander auf zwei kleine Gruppen (drei und vier Wanderer), die durch die Riegelhofstiege aufsteigen wollen. Es sind für längere Zeit die letzten Leute, denen wir begegnen. Über den Hermann-Schneider-Weg laufen wir Richtung Pötzscha.

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Aber nur bis zur Waldgrenze. Laut Karte führt ein Weg direkt an der Waldkante oder über die angrenzende Wiese Richtung Rauenstein. Tatsächlich ist an der Wiesenkante ein Pfad getreten. Dieser verläuft allerdings innerhalb einer Umzäunung. Ob die Wiese tatsächlich als Weidefläche genutzt wird, erschließt sich uns nicht. Wir gehen den Pfad jedenfalls bis zum Ende der Wiese (immer am Waldrand entlang) und biegen in einen breiten Waldweg ein. Zu früh, wie wir nach etwa 400 Meter bemerken. Abgelenkt durch die Diskussion über die umgestürzte Schutzhütte am Wegesrand laufen wir ein kurzes Stück parallel zu unserer geplanten Route. Also wieder zurück und ein Stück weiter in den Wald abgebogen.

umgerissene Schutzhütte zum Rauenstein zum Rauenstein fast unpassierbar

Am Baum finden wir eine Kennzeichnung (siehe Foto). Der Forstweg Richtung Rauenstein ist nahezu unpassierbar, wie man auf den beiden Fotos erkennen kann. Er endet auf einem von Pötzscha kommenden breiten Waldweg. Hier soll nach dem eingangs erwähnten Buch von Axel Mothes der Flüchtlingsweg zum Rauenstein verlaufen. Tatsächlich finden wir den schmalen Pfad bergan und stoßen nach wenigen Metern auf die Steinbank und kurz darauf auf eine alte Stufenreihe, die uns Richtung Pudelstein führt. Am Pudelstein geht es vorbei (immer unmarkiert) bis zu jenem „umgestürzten Felsen“ (siehe Foto), der uns als Hinweis für den weiteren Verlauf des Flüchtlingsweges dient. Kurz vor dem Felsgebilde führt ein schmaler, aber gut sichtbarer Pfad in einen Felskessel des Rauensteins hinein. Wir folgen dem Pfad, der zunächst durch einen schmalen Felsspalt mäßig steil, später steiler bis zum Gratweg auf den Rauenstein führt. Kurz vor dem Gipfel gibt es nach rechts noch einen kleinen Stichweg zu einer Aussicht inklusive kleiner Klettereinlage, falls gewünscht (früher gab es hier wohl einmal eine Holzbrücke).

Flüchtlingsweg Flüchtlingsweg Flüchtlingsweg Pudelstein

Flüchtlingsweg Flüchtlingsweg Flüchtlingsweg Aussicht am Flüchtlingsweg

Kulturschock und Touristenströme auf dem Gratweg. Nichts wie weg. Unmittelbar nach dem Aufstieg auf den Gratweg führt in nordwestlicher Richtung ein anfangs recht steiler Abstieg durch eine Schlucht in den Bärengrund hinunter.

Abstieg Rauenstein Abstieg Rauenstein Abstieg Rauenstein Blütenpracht am Wegesrand

Nach etwa 100 Metern stoßen wir auf den Kletterzugang zum Rauensteinkopf (hier hilft jetzt die Böhmkarte „Bastei“ zur Orientierung). Der Kletterzugang führt uns schließlich talwärts auf den „Rundweg um den Rauenstein“. Entlang der Markierung gelber Strich gelangen wir nach Pötzscha, ein Stück die Straße hinauf – am Robert-Sterl-Haus vorbei – wieder zum Hermann-Schneider-Weg. Diesen könnte man nun Richtung Großer Bärenstein laufen und dann unmarkiert durch den Wald nach Naundorf zurück. Die Wolken über uns werden aber immer dunkler und wir nehmen jetzt doch lieber das Stück Asphalt bis Naundorf unter die Füße.

Fazit: Eine sehr interessante Wanderung, bei der ich nun endlich auch die letzte der von mir als „schwierig“ eingestuften Stiegen downhill gegangen bin (Riegelhofstiege). Nur wenige Wanderer begegneten uns – außer natürlich auf dem Rauensteingratweg und dem letzten Stück des Weges nach Pötzscha. Wieder weise ich die Behauptung zurück, dass es durch solche Veröffentlichungen zum „Stiegenrun“ kommt. Uns begegnen selbst in der Wanderhochsaison auf solchen Touren nur wenige Leute. Auch die paar Wanderer im Riegelhof störten keinesfalls die Ruhe auf unserer Tour.

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Eine Antwort auf Riegelhofstiege downhill

  1. Katrin sagt:

    Hallo,
    ich schaue schon seit längerem immer mal wieder hier vorbei, wenn ich mal wieder Wander-Vorschläge suche (und werde auch meist fündig! vielen Dank an dieser Stelle einmal, denn so etwas zu schreiben, zu bebildern etc. macht doch ganz schöne Mühe!).

    Hier ein Update zur Riegelhofstiege:
    Wir waren gestern (28.06.15) dort, hatten eine ruhige Tour gesucht… und da wir beim ersten Besuch vor längerer Zeit beim Einstieg in die Stiege vom Regen überrascht wurden und deshalb auch die Aussichten oben nach links nicht mitgenommen hatten, sind wir diesmal bei besserem Wetter noch mal da rauf. Nur wie auf eurem Foto noch gezeigt, sind am Anfang leider die Holzbalken als Steighilfe nicht mehr vorhanden. Habe dann noch nach anderen Fotos gesucht und fand eins, wo in dem Loch auch noch ein Balken als Aufstieghilfe lag – auch dieser ist weg. Man muss also schon ganz schön Hand an den Fels legen, damit man da hoch kommt 🙂 Aber wir haben es geschafft und diesmal bei super Fernsicht alle Aussichten in einigermaßen Ruhe genießen können.
    Zum kleinen Bärenstein noch eine Frage: Ist bekannt, was da oben mal für Gebäude gestanden haben?

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