Nervenkitzel im Herbstlaub

Archiv – ruebezahlstiege.de/blog – Artikel vom November 2010:

Grosser-Dom

Grosser-Dom

Eine der letzten Herbstwanderungen in der Sächsischen Schweiz, vielleicht sogar die letzte Tour des Jahres 2010, sollte uns am 21.11.2010 zu einer ganz versteckten Stiege führen. Unser Ziel: die Wolfsfalle – aber downhill.

Eigentlich wollten wir vom Parkplatz Nasser Grund aufbrechen und in den Großen Dom. Am Totensonntag versammeln sich hier die Kletterer und Bergfreunde. Der Chor der Bergfinken gibt dann eine Kostprobe seines Könnens. Der Parkplatz war nur leider schon überfüllt. Also Start vom Beuthenfall mit einem kleinen Zusatzweg. Im Großen Dom war schon mächtig viel los. Und die

Domstiege durch den Kleiner Dom

Domstiege durch den Kleiner Dom

Bergfreunde strömten nur so in den Talkessel. Wir stiegen später über den kleinen Dom zur Oberen Affensteinpromenade, umrundeten den Domkessel und hörten noch ein wenig „von oben“ dem Gesang zu.

Die Obere Affensteinpromenade führt uns an den Zerborstenen Türmen, dem Ausstieg der Wilden Hölle und der Zwillingsstiege vorbei (Abstieg untersagt!) und umrundet in luftiger Höhe das Große Bauerloch – herrlicher Blick nach unten auf die Zwillingsstiege. Wir kreuzen die Häntzschelstiege in halber Höhe und gehen weiter bis zu einem markanten Kletterfelsen, der Wolfsspitze. Dahinter liegt der Kletterfelsen Wolfsfalle und in einer Einkerbung die steile Stiege, die uns nach unten bis auf den Königsweg führen soll. Von hier oben bis zum Beuthenfall sind es etwa 300 Höhenmeter auf kurzem Weg.

Wolfsfalle

Wolfsfalle

Etwas mulmig war mir schon, als ich hier hinabschaute. Immerhin gibt es auf dem ersten Stück keinen Halt für die Hände – außer an einzelnen Bäumen. Vorsichtig absteigend erreichen wir den steilen Felsabsatz mit den Stahlklammern. Die sind aber recht feucht. In der Felskerbe liegt nasses Laub. Mit den Händen an der Klammer trete ich in das tiefe Laub und an den Felsen. Das funktioniert gut bis zu den beiden letzten Klammern. Die sind so weit auseinander, dass sie außerhalb meiner Schrittlänge liegen. Also mit einer Hand Halt am Felsen suchen und in das tiefe Laub treten. Mit der notwendigen Ruhe und Vorsicht meistern wir auch diese Stelle. Aber danach wird es nicht leichter.

Wolfsfalle

Wolfsfalle

Der Hang ist extrem steil, und das nasse Laub verspricht nicht gerade einen guten Halt. Schritt für Schritt geht es abwärts bis der Hang allmählich flacher wird. Obwohl am Nachmittag höchsten noch 5 Grad Celsius waren, kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Der Abstieg durch den Dietrichsgrund zum Beuthenfall war dann ein reiner Spaziergang.

Die Wolfsfalle habe ich in meiner Stiegenmatrix mit Stufe 4 charakterisiert, der Abstieg ist eine glatte S5 (zumindest im nassen Herbstlaub). Da ich alle offiziell nicht gesperrten schwierigen Stiegen schon downhill gegangen bin – Rübezahlstiege, Starke Stiege, auch Häntzschel- und Zwillingsstiege als da noch keine Verbotsschilder standen – kann ich die Schwierigkeit wirklich gut einschätzen. Das ist also keine Wanderung und nur etwas für wirklich „Trittfeste“. Eine Stiege downhill hebe ich mir für 2011 auf: die Riegelhofstiege.
Update: Tatsächlich begingen wir die Riegelhofstiege downhill erst im Mai 2014.

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