Der ‚Große‘ und der ‚Kleine‘ …

Oder: Wer hat das Schild am Kleinen Pohlshorn entfernt?

Oder: Ein langer Blogartikel für ausdauernde Leser.

Gipfelaussicht vom Kleinen Pohlshorn

Gipfelaussicht vom Kleinen Pohlshorn

Es gibt gleich mehrere ‚Große‘ und ‚Kleine‘ in der Sächsischen Schweiz. Gemeint sind an dieser Stelle Gipfel, hier insbesondere die, welche sich dem Wanderer erschließen – oder eben nicht. Die bekanntesten der Bruderpaare sind:

Der Große Winterberg (556 m) – nicht der höchste Berg, wie viele Besucher meinen, und ohne natürliche Aussicht, dafür wahrscheinlich der meistbesuchte Berg meiner Aufzählung, da einer der Hauptwanderwege über den Gipfel führt.

Der Kleine Winterberg (500 m) – liegt in der Kernzone des Nationalparks und da kein markierter Wanderweg auf den Gipfel führt, darf dieser auch nicht betreten werden!

Der Große Zschirnstein (562 m, gerundet) – ist tatsächlich der höchste Berg im Sächsischen Teil des Elbsandsteingebirges, ein markierter Wanderweg führt zum Gipfel. Da die Zschirnsteine etwas abseits der Hauptwege liegen, wird auch der höchste Berg nicht so oft besucht, wie man vielleicht erwarten würde.

Der Kleine Zschirnstein (473 m, gerundet) – liegt unmittelbar neben dem großen Bruder, wird aber wegen des Fehlens eines markierten Wanderweges nur selten aufgesucht, obwohl sich der Aufstieg und insbesondere eine Umrundung lohnt.

Der Große Bärenstein (329 m, gerundet) – einer der linkselbischen Tafelberge, dessen Gipfel nur selten aufgesucht wird, da ihm keine Aussicht nachgesagt wird – zu Unrecht. Mein „Lieblingstafelberg“ wegen der relativen Einsamkeit und der Riegelhofstiege.

Der Kleine Bärenstein (338 m, gerundet) – ist höher als der Große Bruder und wird gern aufgesucht, denn ein markierter Wanderweg führt zum Gipfel mit schöner Aussicht.

Der Große Teichstein (413 m, gerundet) – liegt unmittelbar am Zeughaus und lässt sich auf einem allerdings nicht markierten aber beschilderten Weg erklimmen. Sehr lohnenswert – der Aufstieg und die Aussicht über den Großen Zschand.
Und wo liegt eigentlich der Kleine Teichstein?

Das Große Pohlshorn (379 m, gerundet) – liegt tief in den Wäldern der Hinteren Sächsischen Schweiz, allerdings führt der Malerweg dort entlang und der markierte Aufstieg über den Dreisteigensteig ist sehr lohnenswert (und scheißtreibend), attraktiv auch die Aussicht.

Das Kleine Pohlshorn (417 m, gerundet) – ist auch höher als der Große Bruder, liegt direkt am Malerweg – und besitzt keinen beschilderten Aufstieg mehr! Betreten darf man den Gipfel natürlich, auch wenn kein markierter Weg hinaufführt.

Kein Hinweis zum Aufstieg

Kein Hinweis zum Aufstieg

Hinweisschild fehlt heute

Hinweisschild fehlt heute

Die Frage stelle ich hier in den Raum: Weshalb fehlt seit kurzer Zeit das Hinweisschild zum Gipfelaufstieg? Kürzlich war es noch vorhanden. Und nun unser kleiner Bericht der Wanderung rund um das Kleine Pohlshorn. Wer jetzt den Bericht zu den nicht ausgetretenen Wegen erwartet und geduldig bis hierher gelesen hat, wird belohnt. Wir bewegen uns durch ein Gebiet der Hinteren Sächsischen Schweiz, das wahrscheinlich zu den einsamsten Teilen des Gebirges gehört. Während sich am letzten Samstag die Autos auf den Kinitzschtal-Parkplätzen zwischen Neumannmühle und Beuthenfall fast „stapelten“, war am Parkplatz Sturmbauers Eck kaum ein Fahrzeug abgestellt (der Wanderparkplatz ist übrigens immer noch gratis). Wir gehen einige Meter vom Parkplatz die Straße Richtung Bad Schandau und biegen in den ersten breiten Forstweg nach links ab. Natürlich mit der Böhmwanderkarte „Großer Zschand“ in der Hand. Ohne die wird es sehr schwierig. Jede andere derzeit im Handel erhältliche Karte versagt mangels Auflösung bei dem, was nun kommt.

zum Kleinen Pohlshorn

zum Kleinen Pohlshorn

Nach wenigen Metern zweigt vom Schluckeholzweg, auf dem wir uns nach Böhmkarte befinden, der Weg in die Schwarze Schlüchte ab, ein zunächst durchaus bequem zu laufender Forstweg. Die Schwarze Schlüchte (kein Schreibfehler, es heißt „die Schlüchte“ = Einzahl) verläuft direkt auf das Kleine Pohlshorn zu. Allerdings ist auf zuvor erwähnter Karte kein Weg Richtung Gipfel zu finden. Also umgehen wir das Kleine Pohlshorn auf einem kleinen Pfad durch die Auerhahnschlüchte, den wir zu meiner Überraschung auch gleich auf Anhieb finden (liegt vielleicht auch am bei uns schon ausgeprägten Spürsinn für solche Pfade). Relativ steil steigt der Weg an. Wir gelangen zur Brandheideschlüchte und schließlich über einen breiten Forstweg zur Wegkreuzung mit dem Pohlshornweg direkt an der Schutzhütte.

Der Pohlshornweg ist mit grünem Strich markiert, die Wegweiser führen Richtung Großes Pohlshorn. Das Kleine Pohlshorn wird nicht erwähnt, obwohl der Wanderweg, hier ein Teil des Malerwegs, direkt am Aufstieg vorbeiführt. Nur etwa zwei oder drei Minuten nach besagter Wegkreuzung mit der Schutzhütte kommen wir zum Abzweig mit dem Gipfelweg zum Kleinen Pohlshorn. Weshalb das Hinweisschild entfernt wurde? Ich kann es nur vermuten. Vielleicht liegt es an der ungesicherten Aussicht auf dem kleinen Felsplateau. Ganz ungefährlich ist es nicht, die leider etwas beschränkte Aussicht vom Gipfel zu genießen. Sicher soll der Hauptwanderstrom zum Großen Pohlshorn gelenkt werden. Zugegeben, die Aussicht von dort ist deutlich besser und der Gipfel ist schön mit einem Stahlgeländer gesichert. Wer aber die Aussicht über den Zschand allein oder vielleicht auch nur fast allein genießen möchte, sollte den Aufstieg auf das Kleine Pohlshorn suchen und finden. Der Aufstieg selbst dauert übrigens kaum fünf Minuten und ist völlig unspektakulär.

Durchgang am Zätzschenhorn

Durchgang am Zätzschenhorn

Wir wollen natürlich wieder zum Parkplatz zurück und bei dieser Gelegenheit das Kleine Pohlshorn umrunden. Kurz vor dem Aufstieg zum Großen Pohlshorn führt nach rechts ein kleiner Pfad zum Felsriff des Amselsteins (wenn ich die Kartenbezeichnung auf der Böhmkarte richtig deute). Am Forststein 228 vorbei und unmittelbar am Felsriff entlang führt unser schmaler Pfad zu einem Felsdurchlass am Zätzschenhorn. Wir durchschreiten die Felsgasse und gelangen schließlich auf den breiten Forstweg, den Oberen Hirschewaldweg, der uns nach rechts über den Schluckeholzweg wieder auf die Kirnitzschtalstraße und zum Wanderparkplatz Sturmbauers Eck bringt oder bringen würde, denn uns war diese Wanderung zu kurz.

über den Heulenberg

über den Heulenberg

Die etwas abenteuerliche anschließende Überschreitung des gesamten Heulenbergs von Süden nach Norden werde ich hier nicht dokumentieren. Und auch nicht später. Wer den Gipfel tatsächlich aufsuchen will, möge es mit der Beschreibung in Axel Mothes‘ Buch „Bergpfade und ‚Andere Wege‘ im Sandstein, Band 3“ im wahrsten Sinne des Wortes „in der Hand“ tun. Empfehlen möchte ich die Tour nicht. Das sicher ehemals vorhandene Wegenetz ist de facto nicht mehr existent. Zwar liegt der Heulenberg nicht in der Kernzone des Nationalparks, aber sich hier an ein Wegegebot zu halten, bedarf schon einiger Phantasie, vor allem, was den im genannten Buch nur kurz erwähnten Abstieg zum Flügel E betrifft. Einige Bilder – unter anderem von einer wirklich lohnenswerten Aussicht – gibt es aber wenigstens an dieser Stelle.

Abschließend noch einige Bemerkungen zu den „Großen und Kleinen“: Die Namen am Anfang des Blogartikels sollen natürlich keine vollständige Aufzählung darstellen, sondern nur eine kleine Auswahl. Es gibt weitere Flurbezeichnungen und eine Anzahl Klettergipfel mit entsprechenden Bezeichnungen, wie zum Beispiel den Großen und den Kleinen Zschand, den Großen und den Kleinen Lorenzstein und mehr…

Die Höhenangaben habe ich der Website www.boehmwanderkarten.de entnommen (dies soll also eine Quellenangabe sein), wobei mir auffiel, dass das Große Pohlshorn in der Aufzählung “Die 300 höchsten Berge der Sächsi­schen Schweiz” auf genannter Website fehlte (Höhenangabe in diesem Fall aus der Wanderkarte).

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4 Antworten auf Der ‚Große‘ und der ‚Kleine‘ …

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