Cool?

Weit, weit weg von zu Hause finden wir Schnee. Wir fahren bis zum Wilden Kaiser oder besser gesagt: nach St. Johann in Tirol. Dort hatte es Ende Januar innerhalb von zwei Tagen etwa 25 Zentimeter Neuschnee gegeben. Im Tal lagen damit 40 cm und die Loipen waren fast alle gespurt und/oder befahrbar. Unser kleines und feines Hotel lag direkt am Skihang des Kitzbüheler Horns. Das hatte den großen Vorteil, dass ich mir die Abfahrtsski an der Haustür „anschnallen“, direkt zur Talstation der Kabinenbahn fahren und bei der letzten Abfahrt gleich zum Skiraum abbiegen konnte.

Das Skigebiet mit den Ferienorten St. Johann in Tirol, Kirchdorf, Oberndorf und Erpfendorf bietet 23 Liftanlagen mit rund 60 Kilometern Piste am Kitzbüheler Horn.
Pistenplan: http://skimap.bergbahnen-stjohann.at/

Das ist doch wirklich cool. Nur der viele Kunstschnee auf dem Hang ist es nicht. 70 Schneekanonen sind am Kitzbüheler Horn im Einsatz, um einen Meter Schnee als Pistenbelag zu erzeugen. Sonst wären die Talabfahrten nicht möglich gewesen. In Österreich werden etwa 60% aller Pisten künstlich beschneit. Die Betreiber stecken im Dilemma, dass die Gäste absolute Schneesicherheit erwarten. Die gibt es aber selbst in höheren Lagen nur noch bedingt. Aber wer will bei 40 bis 50 Euro für eine Tageskarte auf dünner Unterlage dahin rutschen, auf der dann am Nachmittag der Untergrund hervorkommt? Alles deutet darauf hin, dass sich die Lage noch verschlimmern könnte. Selbst die als schneereich geltenden Winter der Jahre 2007 und 2010 waren im langjährigen Vergleich nur Durchschnitt.

 

Ohne Schneekanonen wird deshalb in Zukunft nichts mehr gehen in den Skigebieten. Mit verheerenden Folgen für das Grundwasser und den Wasserhaushalt der Flüsse, wie Experten warnen. Der Wasserbedarf für einen Hektar Kunstschneepiste ist doppelt so hoch wie für einen als besonders durstig geltenden Maisacker. Im Sommer 2003 mussten Bauern Wasser auf die Almen bringen, um ihr Vieh vor dem Verdursten zu retten.

Konflikte zwischen Wintertourismus und Landwirtschaft scheinen unausweichlich. Ein Zurückdrehen des Kunstschnee-Rades ist angesichts der großen ökonomischen Bedeutung des Wintertourismus kaum denkbar.

Und nach der Abfahrt geht es zum coolen Après-Ski bei „Best Of Yodeling”? Für die meisten Abfahrtsfreunde ein Muss! Für uns nicht. Einmal reichte.

Schauen wir auf das Loipennetz rund um St. Anton. Das war der eigentliche Beweggrund für unsere Urlaubsplanung. Die „Urlaubsregion Kitzbüheler Alpen“ mit ihren vier Urlaubsorten St. Johann in Tirol, Oberndorf, Kirchdorf und Erpfendorf bietet ein Netz mit rund 250 Kilometern Loipen. Nur konnten leider nicht alle Strecken präpariert werden. Besonders die Zugänge zu den anspruchsvollen Gebirgsloipen am Wilden Kaiser waren wegen Schneemangels nur teilweise befahrbar. Ausgangspunkt für auf Wunsch auch lange Touren ist das Langlaufzentrum Koasastadion mit Skiverleih, Wachsstube, Umkleideraum und Sonnenterrasse sowie kostenlosen Parkplätzen. Hier gibt es auch einen 2,7 km langen Rundkurs, der am Abend beleuchtet wird (17.00 – 21.00 Uhr).

Die Loipennutzung ist kostenfrei, eine Übersicht gibt es im Netz auf dieser Seite:
http://www.skigebiete-test.de/loipenplan/vollbild/st-johann-in-tirol.1280.720,

die Beschreibung der einzelnen Loipen findet ihr hier: http://www.kitzbueheler-alpen.com/de/st-johann/winter/langlaufloipen-tirol-oberndorf-kirchdorf-erpfendorf.html

und der aktuelle Zustandsbericht der Loipen kann auf dieser Seite abgerufen werden:
http://www.kitzbueheler-alpen.com/de/st-johann/winter/geoeffnete-loipen-tirol.html

An den ersten vier Tagen fanden wir teilweise wirklich sehr gute Bedingungen vor. Wegen meiner halbtägigen Aktivitäten am Hang führte uns nur eine lange Tour von St. Johann über Kirchdorf auf die (schwarze) Höhenloipe nach Gasteig. Das war wirklich cool. Die Zufahrt ins Kaiserbachtal war dann allerdings wegen zu dünner Schneedecke nicht mehr möglich.

Leider wurde es im Verlauf der Woche immer wärmer und der Schnee schmolz uns buchstäblich unter den „Langläufern“ weg. Der 42. Koasalauf – ein großer Volkssportlauf über 50 km Klassisch und 28 km Skating – musste ganz kurzfristig abgesagt werden.

Deshalb entschlossen wir uns, am letzten Tag (Freitag) zu einer Besichtigung des Nobelortes Kitzbühel. Dort hatte man für das Hahnenkamm-Rennen Ende Januar den größten Teil des Kunstschnees auf die Rennpiste geblasen. Wie man auf einem Bild sehen kann, sind dafür sogar einige Talabfahrten für die Urlauber nicht zu halten gewesen (gesperrt).

Wenn ich heute die aktuellen Schneedaten des Gebietes ansehen, haben wir wohl noch großes Glück mit unserem Termin „erste Februarwoche“ gehabt. Denn jetzt sind alle Loipen gesperrt und die Kunstschneeproduktion dürfte wegen der hohen Temperaturen auch eingestellt sein.

Einen ausführlicheren Bericht mit einigen Loipenbeschreibungen gibt es auf unserer Website www.4FunWeb.de.

 

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