Aufstieg(e) zum Scheibenhorn

Es gibt auch für uns immer noch einen neuen Gipfel in der Sächsischen Schweiz zu ersteigen oder eine unbekannte Aussicht zu erreichen. Ganz am „unteren“ (südlichen) Rand der Böhmwanderkarte „Brand – Hohnstein“, Maßstab 1:10.000, habe ich das Scheibenhorn bisher immer übersehen. Schließlich finden wir auf genannter Karte auch keinen eingezeichneten Weg zum Gipfelplateau. Das bedeutet allerdings nicht, dass es „in Natur“ auch der Fall sein muss. Gleich in zwei kürzlich erworbenen Bücher fand ich Möglichkeiten, um auf den Gipfel zu gelangen. Da wir uns die beiden neuen Klettersteige direkt an der Ochelbaude ohnehin anschauen wollten, hatten wir also gleich noch ein lohnendes Wanderziel.

In seinem Band 2 „Geheimnisvolle Wege im Sandstein und anderswo“ beschreibt Autor Axel Mothes auf Seite 54 ff einen von ihm so bezeichneten Glutosteig. In Ermangelung eines historischen Namens nennt er den Aufstieg nach dem Ortsteil Gluto. Im Klettersteigführer „Steige und Stiegen in der Sächsischen Schweiz“ beschreibt Michael Bellmann auf Seite 58 ebenfalls einen (anderen) Aufstieg auf den Gipfel des Scheibenhorns. Diesen werden wir als Abstieg nutzen.

Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung ist der Parkplatz an der Frinztalmühle (derzeit kostenfrei). Wir gehen auf der schmalen Straße Richtung Bahnhof Porschdorf und biegen nach etwa 150 m zur Ochelbaude (Wegweiser beachten) ab. Vom Gelände der Ochelbaude sehen wir an einer ehemaligen Steinbruchwand die vielen Eisenklammern der neuen Klettersteige. Einen Bericht zu den Klettersteigen findet ihr im Blog von Sandsteinwandern.de, eine Diskussion dazu auch im Forum. Hier noch einige Fotos:

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Der sogenannte „Glutosteig“ beginnt direkt hinter dem umzäunten Gelände der Ochelbaude. Nur wie kommen wir zum Einstieg? Das Betreten des Privatgeländes wird uns per Hinweisschild untersagt. Ein gutes Recht des Grundbesitzers. Der Fluss Sebnitz und die Eisenbahntrasse der Sächsischen Semmeringbahn verwehren uns einen alternativen Zugang zum Felsen, an dem der Aufstieg beginnen soll. Um es kurz zu machen: Es gibt keine „legale“ Möglichkeit, um den Einstieg zu erreichen. Entweder man fragt höflich den Besitzer des Grundstücks – und müsste dann aber immer noch über den Zaun steigen – oder man überschreitet die Gleise. Dazu muss man vom Gelände der Ochelbaude wieder herunter und zum Bahnhof Porschdorf gehen oder eine weiter flussabwärts liegende Eisenbahnbrücke nutzen. Am Bahnhof hängt der Fahrplan der nur im Stundentakt auf der eingleisigen Strecke verkehrenden Bahn aus. Im richtigen Zeitfenster wäre also ein Überschreiten der Gleise ungefährlich, empfehlen will ich es allerdings nicht.

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Direkt hinter dem eingezäunten Gelände der Ochelbaude reicht das Felsmassiv bis wenige Meter an die Gleise heran. Hier sieht man auch noch Reste von Stahlträgern und einen ehemaligen Unterstandes im Felsen (siehe dazu eine kurze Bemerkung am Ende des Artikels). Genau an dieser Stelle müssen wir an den Felsen gehen und beginnen einen recht steilen Aufstieg. Fußspuren signalisieren uns, dass hier in letzter Zeit einige Wanderer aufgestiegen sein müssen. Im Gegensatz zu den auf der anderen Talseite liegenden Ochelwänden befinden wir uns nicht in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz. Wir dürfen also den unmarkierten Pfad nutzen.

Nach etwa 200 m etwas schweißtreibenden Aufstiegs stoßen wir plötzlich auf vier Steinstufen und wissen nun endgültig, dass wir richtig sind. Der schmale Pfad quert den Hang und steigt dann wieder relativ steil an. Wir finden erneut Steinstufen, müssen auf schmalem Weg einen Überhang unterqueren und gelangen schließlich zu weiteren Steinstufen, die uns in eine steile Rinne führen. Hier soll früher einmal eine Holzleiter gestanden haben. Heute muss man ohne Hilfsmittel aufsteigen, was aber gelingen sollte. Die enge Gasse bietet an beiden Seiten gute Griffe am Felsen. Nach dem Ausstieg wird es deutlich flacher, allerdings verliert sich die Pfadspur. Einige Meter vor uns liegt eine Wiese, auf die wir zulaufen. Dort angekommen, halten wir uns rechts und erkennen eine kleine Felsstufe. An dieser befindet sich die eingehauene Jahreszahl 1928. Unmittelbar daneben sehen wir einige weitere Stufen, die uns den Aufstieg auf das Gipfelplateau des Scheibenhorns erleichtern. Wir finden eine ganz nette Aussicht in das Tal der Sebnitz und die gegenüberliegenden Ochelwände.

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Zum Abstieg wollen wir die „Kerbe“ nutzen, die im Bellmann-Stiegenführer beschrieben ist. Dazu gehen wir vom Gipfel den gleichen (kurzen) Weg zurück bis zur Felsstufe mit der Jahreszahl 1928, steigen ab und laufen nun kurz unterhalb des Gipfels etwa 100 Meter weiter, bis wir tief unter uns das Gelände der Ochelbaude sehen. Wir gehen in der Nähe der Abbruchkante auf einem teilweise sehr schmalen Pfad entlang (Vorsicht!) und finden zwei schmale Kerben, die talwärts führen. Möglicherweise kann man beide der steilen Abstiege nutzen. Wir wählen den im folgenden Foto gezeigten Einschnitt und finden am Ende der Kerbe ein Kletterseil, was uns den Abstieg deutlich erleichtert. Alte Steinstufen unterhalb der Kerbe sind mit etwas Vorsicht zu nutzen.

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Da unsere kleine Wanderung nicht allzu lange gedauert hatte, entschloss ich mich, den Kletterzugang zum Bahnhofwächter (Kletterfelsen) zu suchen. Ein möglicher Zugang beginnt nämlich genau am Ausgang der zuvor beschriebenen Kerbe. Zunächst sichert ein waagerecht verspanntes Kletterseil den schmalen Pfad hoch über der Ochelbaude. Später stoße ich auf einige Stahlklammern und Stifte sowie ein Stahlseil, welches die Querung sichert, allerdings am „anderen Ende“ noch gar nicht befestigt ist, wie ich später feststellen muss. Den „gleichen“ Rückweg bin ich dann lieber ohne Stahlseil oder nur mit Nutzung der Fixpunkte im Felsen gegangen.

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Vom Ausgang der zuvor beschriebenen Felskerbe und den etwas maroden Steinstufen erreicht man schließlich auf einem gut erkennbaren – wenn auch steilen Pfad – wieder das Gelände der Ochelbaude direkt hinter dem hier aufgebauten großen Zelt (Tipi). Unseren Abstiegsweg kann man auch „ganz legal“ als Aufstieg zum Scheibenhorn nutzen, so wie es im Bellmann sehr knapp beschrieben ist.

Ein Satz noch zu den am Weg zu sehenden Bauten (Unterstände und Reste anderer Bauwerke): Es handelt sich um die Überreste des hier am Ende des 2. Weltkrieges eingerichteten Arbeitslagers, also Zeitzeugen aus einem ganz dunklen Kapitel deutscher Geschichte.

Zum Abschluss eine „grob schematische Darstellung der Wanderung“ zur Orientierung: Google-Maps-Karte.

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Eine Antwort auf Aufstieg(e) zum Scheibenhorn

  1. Daniel sagt:

    Toller Bericht und mit schönen Fotos untermalt.

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