Klettersteig Schäferwand Děčín

Schäferwand DecinUwes Gastbericht
Sonntag war es soweit, bei bestem Wetter ging es zu den neu installierten Klettersteigen an der Schäferwand in Děčín. Die Anreise ist unkompliziert. Nachdem man die Elbe überquert hat, befindet sich kurz vor dem Zustieg zum Klettersteig ein großer Parkplatz direkt an der Elbe.

Am Zustieg zum Klettersteig stehen eine Bank sowie zwei Hinweistafeln. Auf der ersten Tafel (externer Link, Fremdseite) sind die Routen mit Angabe des Schwierigkeits-grades angegeben. Doch hier lauerte für uns schon die erste Tücke. Es sind weniger Routen eingezeichnet, als tatsächlich an der Wand vorhanden sind. Am rechten Rand der Wand wurden zwei Trassen neu angelegte, welche zwar schon gesichert und am direkten Zugang mit Schwierigkeitsgrad beschildert sind, jedoch sind sie nicht in der Übersichtskarte eingezeichnet. Das ist insofern kritisch, da es sich um die (subjektiv empfundenen) schwierigsten Wege handelt, einmal als Kaminroute und ganz außen mit einem ca. 20 m hohen überhängenden Stück. Den Übersichtsplan gibt es nur in tschechischer Sprache. Die zweite Hinweistafel in Tschechisch und Deutsch weist lediglich auf das Benutzen entsprechender Ausrüstung hin. Angaben zum Schwierigkeitsgrad der Wege fehlen leider.

Klettersteige an der Schäferwand

Schon am Einstieg kann man zwischen einer leichtern und einer schwierigeren Route wählen. Dabei gilt es einen etwa 4 m hohen Absatz zu überwinden. Der Unterschied zwischen beiden Varianten besteht nur darin, dass es bei der einfacheren Variante gemächlich an der Wand bergauf geht, als Trittstufen sind ausreichend viele Drahtstifte im Felsen verankert. Die zweite Variante führt senkrecht über einige Eisenklammern nach oben. Das anschließende Wegstück stellt keine großen Anforderungen. Über eine steinerne Treppe gelangt man auf eine Art Ebene. Dabei handelt es sich um das Dach eines Eisenbahntunnels. Von hier hat man einen sehr schönen Blick auf das Schloss von Děčín und die gemütlich dahin fließende Elbe. Und nun hat man die Qual der Wahl. Es stehen 7 verschiedene Routen unterschiedlicher Schwierigkeit zur Wahl. Wir entschieden uns für den zweiten Weg von rechts, ich nenne sie Kaminroute. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass diese Route in der Übersichtskarte am Einstieg noch nicht vermerkt ist. Aber wir waren diesem Irrtum nicht allein aufgesessen…

Im Zustieg zur Kaminroute kam uns eine Gruppe Kletterer entgegen. Sie befanden sich im Abstieg, da für einige Mitglieder der Gruppe der Kamin zu schwierig war. So auch für mich. Unmittelbar am Einstieg in den Kamin entschied ich mich umzukehren. Ich wählte den Einstieg in die nächste Route links vom Kamin. Meine Mitkletterer durchstiegen den Kamin. Vom Anspruch her lässt sich meine gewählte Route mit dem Georg-Löwinger Steig im Plauenschen Grund oder dem Alpinen Grat vergleichen. Es gibt einige Stellen, wo man beherzt ins Seil greifen muss. Es sind jedoch keine überhängenden Stellen dabei. Auch ist der Felsen sehr griffig und es gibt durchaus Wegstrecken, auf denen man ausschließlich am Felsen klettern kann. Nach etwa 2/3 der Strecke befindet sich auf einem großen Felsvorsprung eine Bank mit dem Wandbuch. Hier kann man die schöne Aussicht auf das Elbtal und das Schloss von Děčín genießen. Anschließend steigt man ein kleines Stück am Felsen ab, bevor sich die Route in zwei Wegstücke mit etwa gleicher Schwierigkeit aufteilt. Ich wählte die linke Route. Da galt es noch mal ein paar Meter ins Seil zu greifen und dann war der Ausstieg erreicht.

Oben auf der Schäferwand befindet sich ein großes Ausflugslokal mit einer schönen Aussicht. Vom Ausstieg führen sowohl links als auch rechts zwei Wege hinab ins Tal, so dass man nach etwa 15 Minuten wieder am Zustieg des Klettersteigs ankommt.

Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch die anderen Routen erkunden, jedoch führte ein Zwischenfall mit einem anderen Kletterer in der Wand dazu, dass wir den Klettertag beendeten.

Fazit: Die Klettersteige in der Schäferwand machen einen sicheren Eindruck, es gibt viele Klammern und Tritte, der Felsen ist griffig. Die Seilführung ist so gewählt, dass man nicht aller halben Meter umhängen muss. Die verschiedenen Schwierigkeitsgrade lassen auch bei fortgeschrittenen Klettersteiggehern keine Langeweile aufkommen. Die von mir begangene Route ist von der technischen Schwierigkeit vergleichbar mit dem Alpinen Grat oder Georg Löwinger Steig.

Ein großer Parkplatz ist in unmittelbarer Nähe vorhanden und nach Beendigung der Touren kann man sich oben auf der Wand bei einem kühlen Pivo entspannen. Will man mehrere Routen gehen, empfiehlt sich eine zeitige Anreise, denn auf Grund der exponierten Lage der Wand ist man ab dem späten Vormittag der Sonne ausgesetzt.

Ergänzung zu Uwes Bericht durch den Blogbetreiber:
Bei dem zuvor genannten „Zwischenfall“ handelte es sich um einen Bergunfall, bei dem sich ein tschechischer Kletterer schwere Verletzungen zuzog. Hier ein Link zu einem Artikel in Originalfassung (tschechisch) und die Zusammenfassung in Deutsch durch die Übersetzung eines Muttersprachlers (Jiří R.): Es war ein erfahrener Bergsteiger. Niemand versteht, warum er einen solchen Fehler gemacht hat. Ofizielle Version: Er versuchte vom einem Klettersteig zu einem anderen irgendwo in der Wand zu gehen, was verboten ist. Aber das sollte für einen erfahrenen Bersteiger kein Problem sein. Die Polizei wartet auf die Möglichkeit, dass er eine Aussage aus seiner Sicht machen kann.

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4 Antworten auf Klettersteig Schäferwand Děčín

  1. TR sagt:

    Schöner Bericht, mittlerweile habe auch ich mehrere Routen begangen sowie beide Ausstiegsvarianten. Mit Stand vom 31.10.2014 sind es jetzt 9 Routen, weitere sind laut Karel im Bau und auch eine Seilbrücke die vermutlich jetzt (9.11.14) schon fertig sein könnte…..

  2. Jens sagt:

    Ich war am vergangenem WE an der Schäferwand und wollte ein paar Wege klettern, jedoch stand am Einstieg geschrieben/angezeigt, das Kletterverbot vom 1.12. – 28.3. besteht. Ist vielleicht ein Hinweis, bevor man unnütz den Weg dahin antritt 🙂

  3. Thomas Hofmann sagt:

    Hallo in die Runde,
    Wir waren heute 12.08.2016 im besagten Klettersteig und möchten folgendes Schreiben:
    Wir sind auf den Steig durch eine Empfehlung einer Mitarbeiterin von Bergsport Arnold in Hohnstein aufmerksam geworden.
    Kurzum die noch fehlende Klettersteig Ausrüstung gekauft und los.
    Wetter soweit OK, Temperaturen so um die 18 Grad, bewölkt
    Erste Route die 2 Kategorie C, ohne große Probleme
    Dann die 13 bis zum Überhang am Riss ziemlich oben, abgebrochen weil meiner Partnerin die Kraft zum hochziehen auf das nächste Plateau fehlte, also den Weg zurück was auch nicht ganz ohne war.
    Nach einer Mahlzeit wollten wir unbedingt mit einem positiven Gefühl aufhören, also nochmal rein und Route 4 inkl. Der Seilbrücke (Mechthild meine Heldin) geschafft.
    Leider gab es mittlerweile einen Zwischenfall, eine junge Frau ist beim Einstieg in einen gesperrten Bereich, an dem gerade gearbeitet wurde, aus etwa 5 Metern ohne Sicherung gestürzt, wir wünschen ihr alles Gute.

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