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Gastbericht auf www.4FunWeb.deDer Inhalt dieser Seite und die Fotos stammen von Klaus Teuchert (alle Rechte vorbehalten). Der Betreiber der Website www.4FunWeb.de ist nicht für den Inhalt verantwortlich. Anfrage, Hinweise, Meinungen bitte senden an diese Email-Adresse. Den kompletten Bericht inklusive An- und Abreise gibt es als PDF-Datei zum Download. Hier folgt die leicht gekürzte Fassung mit Bildern vom Südteil bis zum Lac de Nino. Viele Bilder vom Nordabschnitt des GR 20 gibt es auf unseren eigenen Seiten. Die Bilder öffnen sich als extra Seite in einem eigenen Browserfenster. Dieses einfach schließen, um den Bericht weiter zu lesen. |

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Vom 09. bis 31. August 2005 reise ich mit André Carlowitz aus Lugau auf die Mittelmeerinsel Korsika, wir wollen den bekanntesten Wanderweg Europas, den GR 20 (Grande Randonnée 20) von Süd nach Nord wandern, sowie einige weitere Orte auf der Insel besuchen und haben drei Wochen Zeit dazu... 10. 08. In Bastia auf Korsika angekommen, holen wir in der Info einen Zug- und einen Busfahrplan, bei dem aber ein fortgeschrittenes Logistikstudium erforderlich ist, kurz, man blickt nicht durch. Wir bekommen trotzdem heraus, dass um 16 Uhr noch ein Bus nach Porto Vecchio in den Süden fährt, die nicht erkennbare Haltestelle soll der Post gegenüber liegen. Nach langem Suchen und wiederholtem Vorbeilaufen entdecken wir dann ein winziges Büro, dass die Fahrkarten für 21 € verkauft. Vorher gehen wir erst mal korsisch essen, Bruschettes de Bastiage für 7 €, eine große, leckere überbackene Weißbrotschnitte mit Schinken, Mozarella, Ziegenkäse und Basilikum, dazu ein 0,25 L Bierre de pression für 2,20 €, an die gehobenen Preise werden wir uns langsam gewöhnen müssen. Unser Bus ist fast voll mit Touristen, 5 davon wollen den GR 20 von Süden laufen, drei junge Studenten steigen in St. Lucie aus, wir werden sie nach zwei Wochen an der letzten Hütte wiedertreffen. Unterwegs sehen wir schöne Strände, Badebuchten und Steilküsten, Leuchttürme und natürlich ´unsere´ Berge, sehr dick mit Grün bewachsen, am Busfenster vorbeiziehen. Die Felsen haben im Süden eine helle Farbe, allerdings stecken zur Zeit alle Gipfel unter dickschwarzen Wolken, mal sehen, was uns erwartet. Mit 1 h 15 min. Verspätung kommen wir in Porto Vecchio an, der Anschlussbus zu unserem heutigen Ziel, Bonifacio ist um 19 Uhr lange weg, der Fahrer ruft noch bei uns im Bus an, aber wegen drei Leuten wartet er dann doch nicht. Am Hafen teilen wir uns mit einem Geschäftsmann ein Taxi die 45 km nach Bonifacio, er bietet an, wir sollen jeder 15 € zahlen, er zahlt den Rest von 35 €, der Bus hätte 7,50 € gekostet, also gibt es heute mal kein Abendessen. Wir lassen uns direkt am Campingplatz Araguina in City-Nähe absetzten und bekommen ein Fleckchen für unser 3 kg-Robens-Zelt zugewiesen, der Platz ist gerammelt voll Zelte, fast alles Franzosen und Italiener, es ist ja auch Hauptsaison mit Schulferien. Die anschließende Dusche ist schön kühl und nach anderthalb Tagen Anreise eine echte Wohltat.
11.
08. Nach einem Frühstück aus dem kleinen Markt am
Hafen stellen wir den Ablaufplan für die nächsten Tage auf.
Wir laufen die paar Minuten rein nach
12. 08. 6 Uhr klingelt meine Uhr, wir bauen das Zelt ab und die Rucksäcke ein, bezahlt haben wir gestern schon 7,65 € pro Nacht für den Zeltplatz. Wir laufen zum 7 Uhr 30 - Bus nach Porto Vecchio, er hat 20 Sitzplätze, 19 Leute sitzen drin, strahlen uns an, und der Fahrer ist durchaus nicht bereit, noch zwei mitzunehmen, einer würde ja noch reingehen. Auch unsere Überredungskünste helfen nichts, der Bus fährt ohne uns ab, das bedeutet 5 Stunden Wartezeit auf den nächsten. Die Besichtigung der Altstadt auf dem Hügel Porto Vecchios fällt damit aus für uns. Unsere Trampversuche an der Ausfallstraße scheitern leider kläglich, niemand der vielen Autofahrer ist bereit, uns mitzunehmen, also zurück an den Hafen. Die Fahrkarten kaufen wir in einem kleinen Büro bei einem „freundlichen“ Verkäufer, die Haltestelle ist wie gehabt nicht gekennzeichnet. 12 Uhr 30 mit dem Mittagsbus erreichen wir endlich Porto Vecchio, laufen hinunter zum Hafen, dort soll die Haltestelle nach Bastia sein, der Anschlussbus nach Bastia kommt mit 45 min. Verspätung und bringt uns in kurzer Zeit zu unserem Ausgangspunkt der Gr 20-Wanderung, nach St. Lucie. 12 € kostet die Fahrt für die 60 km von Bonifacio nach St. Lucie. Hier trinken wir noch ein Abschiedsbier, im Buchladen stehen wohlgeordnet alle gängigen GR 20-Wander-karten. 15 Uhr geht es die Straße entlang hoch nach Conca (252 m), in zwei Stunden laufen wir die 6,5 km und 170 Höhenmeter. Es ist ca. 40°C heiß und als wir am Zeltplatz einlaufen, sind wir nass geschwitzt. Unterwegs unterhalte ich mich mit Fanny, einer 32jährigen französischen Tramperin, die hier ihren Sommer verbringt, wenn ihr Geld alle ist, geht sie arbeiten irgendwo, sie besucht in Conca das Grab von Verwandten. Nach einer heißen Dusche sitzen wir auf der gemütlichen Terrasse der Gite des Etapes am Camp La Tonelle, trinken einen Pastis und bringen die Memoiren des heutigen Tages der ewigen Warterei zu Papier. Ein Tag Bonifacio mit den Menschenmassen und den vielen Autos reicht uns. Die Übernachtung kostet hier 5 €, die Zelte stehen auf Terrassen zwischen großen schattenspendenden Bäumen und es gibt heiße Duschen. Zu unserem Pech findet heute Nacht hier eine große Party bis kurz vor 6 Uhr früh statt, mit Ohrstöpseln versuchen wir zu schlafen.
13.08.
Nach dem Aufstehen um 6 Uhr frühstücken wir bei der
„netten“ Kellnerin für 5 €, bekommen Baguettes,
Butter, Marmelade und einen großen Cafe au lait vorgesetzt. 8
Uhr 30 starten wir zur großen Wanderung. Durch das kleine Dorf
Conca (252 m), wo es heute zum Sonnabend keine offenen Läden,
also auch kein Brot für unsere Tour gibt, gelangen wir an den
südlichen
14.
08. 6 Uhr aufstehen, 30 min. später beobachten wir einen
Traum-Sonnenaufgang über dem Meer, 7 Uhr marschieren wir los,
leicht bergauf, bergab durch Kiefernwald, dann steil hinauf zur Foce
Finosa (1206 m) mit vielen schönen Tafoni-Felsen. Nach
Überqueren des Volpajola-Baches (1020 m) wandern wir
hinauf zur Straße, zum
15.
05. Es ist sonnig mit einigen Wolken, heute steht uns die
schwerste Etappe im Südteil bevor. Wir gehen 7 Uhr los, 600 Hm
Serpentinen hinauf auf den 2134 m hohen
Monte Incudino,
das große Betongipfelkreuz steht auf einer riesigen
Granitplatte. Wir stehen auf einem der schönsten Aussichtsberge
Korsikas, haben gute Sicht über fast die gesamte Insel, sehen im
Norden die höchsten Gipfel, die uns noch bevorstehen. Weiter
geht es bergab zum Col de Luana, dann durch einen Wald
mächtiger Buchen vorbei an den Ruinen des Refuge de
Pedinielli hinab zum tiefsten Punkt auf 1440m, der Hängebrücke
über den Casmintelluet de Monte Tiguosu. Sie besteht aus
einzelnen Brettern mit Stahlseilen verbunden und schaukelt beim
Betreten gewaltig, zum Gaudi der Gäste des weißen
Imbisszeltes direkt daneben. Wir lassen uns nicht aufhalten, auf
einer Forststraße und Waldwegen geht es über eine hügelige
Hochebene mit einigen malerischen Bachtälern. In den Wäldern
liegen viele abgestorbene Bäume herum, ein Jeep der
Forstverwaltung, bzw. Naturpark-Ranger kommt uns auf einem extrem
steilen, steinigen Pfad entgegen. An einer Quelle vorbei führt
uns der Weg hoch über die Waldgrenze zu einer Felsscharte, wir
haben herrlichen Ausblick auf die Ostküste und das weite grüne
Taravo-Tal mit einigen Orten. Ab hier beginnt der
„Denkmalsgrat“ mit vielen Felsstatuen, es geht
immer rauf und runter, der Weg quert mehrmals den Gipfelgrat und den
Punta di a Scadatta (1836 m), am Ende des heutigen Tages eine
kräftezehrende Belastungsprobe für uns. Von weitem sehen
wir unsere Usciolu-Hütte (1805 m), die wir nach insgesamt
11 Stunden Wanderung erschöpft erreichen. Witz geht gleich
einkaufen, Brot und Ziegenkäse, wir kochen Tee und abendbroten
im Freien am Tisch mit jungen Franzosen. Nach einem kurzen
Regenschauer sitzen wir wieder draußen vor dem Zelt, beobachten
die rosa Wolken und das örtliche Panorama der Berge, es ist
windstill und lässt sich aushalten hier in 1800 m Höhe.
Die Zeltplätze liegen auf Bergterrassen an der Hütte, sind
viel größer und besser als an der Asinao-Hütte, es
gefällt uns prima hier.
16.
08. Früh ist wieder wolkenlos, ab 10 Uhr erscheinen die
ersten weißen Wölkchen, ab Mittag ist es dann bedeckt mit
Sonne, ab 17 Uhr wieder voller Sonnenschein. Heute findet der
Denkmalsgrat seine Fortsetzung in einer Gratwanderung zwischen 1500
und 2000 Hm. Wir klettern hinauf zur
Bocca di a Formicula
(1950 m), der Weg zieht sich zwischen den Felsspitzen hindurch in
ewigem Auf und Ab. Später windet sich unser Pfad hinunter zu
einer privaten Hütte, der Refuge de San Gavino (1550 m),
dort befindet sich auch die einzige Quelle des heutigen Tages. Es
sind vier ältere Herren anwesend, machen einen gemütlichen
Eindruck auf uns. Ein Stück weiter an der Bocca di Laparo
kreuzt auf 1525 m Höhe der Fernwanderweg Da Mare a Mare Centre,
der die Ostküste mit der Westküste verbindet. Von hier
geht unser Weg wieder bis 2000 m hoch. Ständig am Grat auf
grobem Geröll auf und ab, links im Tal ragt der Rocher de la
Penta, der „Zuckerhut“ auf, am
Punta di
Campitello (1937 m) vorbei steigen wir bis zum Fuß des
Punta della Capella (2041 m), den ich auf riesigen
Steinplatten noch im Alleingang bis zum Holzkreuz besteige und die
wunderbare Aussicht genieße. Von weitem sehen wir schon die
Refuge de Prati (1840 m)
17.
08. Sonnenaufgang über der großen Ebene Fium Orbu,
wir wandern viertel nach 7 los, ein wolkenloser Tag erwartet uns. Wir
gehen hoch zur Bocca d´Oru (1855 m)
18.
08. Das Aufstehen und Einpacken meiner Sachen gestaltet sich zu
einem schmerzvollen Kampf, mein Rücken ist nicht besser
geworden. Bei leichten, uns aber nicht nass machenden Regenschauern
geht es hoch zur Straße und zu den Bergeries de Scarpaccedie
(1450 m), wo eine alte Frau auf unsere Frage nach Milch den Kopf
schüttelt. Auf leichten Waldwegen überqueren wir mehrere
Bäche, erreichen die Hochebene Crete de Cardo (1515 m)
mit gutem Rundblick, laufen weiter zu den schmucken Bergeries
d´Alzeta (1553 m), an der ein alter Mann mit einer Machete
Holz bearbeitet und auch keine Ahnung hat, wie frische Milch
aussieht. Also frühstücken wir ohne Milch, dafür mit
gutem frischen korsischen Quellwasser. Leicht bergauf führt der
Pfad zum Sattel Bocca Palmente auf 1640 m, wo wir uns dann von
den südlichen Bergen Korsikas verabschieden. Wir blicken
vorwärts, ins Tal hinunter nach Vizzavona (920 m), das
wir auf ruhigen, abwärts führenden Waldwegen bald
erreichen. 100 m rechts nach dem Bahnhof liegt etwas versteckt ein
kleiner Zeltplatz mit weit auseinander liegenden Plätzen
im Wald, mit zwei super WC-Sitzbecken-Dixis und zwei Dusch-Dixis, das
alles für 3 €, ein guter Preis. In Vizzavona gibt es einige
wenige Touristen, Autos fahren herum, werden geparkt, viele fahren
mit der
19. 08. Ruhetag. Ausschlafen. Auskurieren.
20.
08. 6 Uhr 30 beginnen wir den nördlichen Teil des GR 20,
verlassen Vizzavona und den Glanz vergangener Zeiten und laufen auf
breitem Weg hinauf zu den Cascades de Anglais (1100 m), den
kleinen Wasserfällen des Agnone-Baches. An einem Waldkiosk
vorbei geht es erst durch den Wald, später im Freien aufwärts
durch viele Erlenbüsche an klaren Badegumpen vorbei über
mehrere kleine Holzbrücken ins Agnone-Hochtal hinauf. Am Anfang
über Geröll, später auf großen Steinplatten
kletternd, erreichen wir den Sattel Crete de Muratello auf
2020 m Höhe. Der Himmel ist bewölkt und die Sonne zeigt
sich kaum, deshalb ist mit dem Fotografieren heute nicht viel. Der
lange Aufstieg von 1160 Hm fällt uns relativ leicht, wir machen
ausreichend Erholungs- und Genießerpausen. Wir umlaufen
seitlich den Berg Monte d´ Oro (2389 m) und sehen
ab dem zweiten Grat den Zweithöchsten Korsikas vor uns, den
Monte Rotondo (2622 m), den man auch von der nächsten
Hütte aus besteigen kann. Es geht jetzt in Kehren wieder
hinunter zur Hochweide mit der Refuge de l´Onda (1430
m). Mehrere feste Gebäude stehen neben einem Zeltplatz (wegen
der fressgierigen Schweine eingezäunt) mit Kochgelegenheiten,
Abwaschbecken, Toiletten und Duschen. Der Gardien, seine Frau und
zwei Töchter halten hier eine ganze Arche Noah, Pferde,
Maultiere, Kühe, viele Schafe und halbwilde Schweine mit vielen
Jungen, denen wir hier erstmalig begegnen. Ein paar Hütehunde
gehören dazu. Wir kaufen ein Weißbrot (4 €), einen
Ziegenkäse (6 €) und 0,7 L offenen Rotwein (6 €).
Abends fängt es an zu regnen, die ganze Nacht durch. Mein
eingeklemmter Nerv ist nach der Behandlung besser geworden, es macht
wieder Spaß, zu wandern und die Natur zu genießen.
21.
08. Auch früh regnet es noch, wir beschließen, heute
die Talvariante zu wandern, weil auf der Bergetappe und den
Graten im Schneeregen, Nebel und Sturm nichts zu sehen sein wird, was
wir später am Abend auch von zwei durchnässten, verfrorenen
unglücklichen Deutschen, die diesen Weg liefen, bestätigt
bekommen. Wir nehmen uns Zeit, packen unsere Rucksäcke im Zelt,
ziehen uns regenfest an. Als wir 8 Uhr 30 loswackeln, hat der Regen
aufgehört, auch gut oder besser sehr gut. Im Wald geht es leicht
bergab bis zu einer Holperpiste, wo ein Jeep steht und für die
Onda-Hütte vorgesehene Güter auf Esel verladen werden. In
diesem Tal gibt es viele Feuersalamander, die in der Kühle recht
träge auf dem Wanderweg umherkriechen, man kann sie leicht in
die Hand nehmen und streicheln, soviel auf einmal hab ich sonst noch
nie gesehen. Am tiefsten Punkt (940 m) führt eine Brücke
über den Manganella-Bach, auch laden viele Gumpen zum
Baden ein, angesichts des durchwachsenen Wetters verzichten wir
jedoch. Kurz darauf erreichen wir die bewirtschaftete Bergerie de
Tolla (1010 m), wo wir bei Regen unter einer Plane am Tisch einen
frischen Ziegenkäse mit Zucker für 8 € zusammen mit
zwei anhänglichen Katzen und einem Husky verdrücken. Auf
einen Liter Tetrapackmilch aus dem Supermarkt für 6 €
verzichten wir. Als es nach 45 min. aufhört zu regnen, laufen
wir weiter auf einem alten Steinweg bergan in eines der
beeindruckendsten korsischen Bergtäler hinein. An schönen
Wasserfällen und Badebecken des Manganella-Baches vorbei queren
wir ihn schließlich und steigen auf teilweise von Einheimischen
errichteten Steinplattenpfaden in Serpentinen hoch zur Bergerie de
Gialgo (1610 m). Kurz darauf stehen wir auf dem Hochplateau
der Refuge de Petra Piana
22.
08. 7 Uhr 30 laufen wir los zu den berühmten Bergseen, es
ist alles voller Wolken, doch ab und zu bläst sie der Wind
beiseite, sodass wir die Umgebung betrachten können. Es geht
steil hoch zum Col de la Haute Route auf 2210 m,
mittelschweres Klettern auf größeren Felsblöcken ist
angesagt, weit schwieriger als an den letzten beiden Tagen. Vom Col
de Rinosa (2170 m) aus sehen wir die ersten beiden Seen, der
größere der Lac de Rinoso, hier gibt es einen
kleinen wunderschönen grünen Biwakplatz. Der Weg führt
weiter zur Bocca Rinosa (2150 m), wir sehen den
Lac de Melo
mit einer Hütte am Ufer. Über größeres Geblöck
kraxeln wir südlich zur Bocca a Soglia (2050 m), es
herrscht meist Nebel, wir befinden uns in den Wolken und die Sicht
beträgt 10 m, was aber bei den vielen GR 20-Markierungen zur
reinen Orientierung ausreichend ist. Von hier oben zweigen an zwei
Stellen Wege talwärts zu den Seen ab, man könnte von hier
auch direkt bis Corte absteigen. Aufwärts zieht sich der Pfad zu
einer Scharte (2000 m) und weiter hoch auf großen Felsplatten
(Schwierigkeit teilweise II) erreichen wir unseren Scheitelpunkt, die
Breche de Capitello (2220 m) über dem gleichnamigen Lac
de Capitello. Weit unten im Tal erkennen wir mit dem Fernglas am
Ende einer Stichstraße viele geparkte Autos an der Bergerie de
Grottele, dort beginnt der normale Touristenaufstieg zu den drei
Bergseen. Ab jetzt führt der Pfad steil geröllig nach
unten, in 1800 m Höhe queren wir ein romantisches grünes
Hochtal, Schottland lässt grüßen, erreichen auf exakt
1600 Hm unser heutiges Wanderziel, die Manganu-Hütte.
Hier unten scheint wieder die Sonne, wir verpacken unsere warmen
Klamotten. Beim Hüttenwirt bezahlen wir den üblichen
Campingobulus von 4 €, erwerben zwei kleine Baguettes für
je 2,50 €, ca. 250 g Schweinssalami für 8 €, außen
dick verschimmelt, aber innen total lecker. Auch leisten wir uns
jeder ein 0,33er Kronenbourg-Dosenbier á 3 €, es schmeckt
„den Umständen entsprechend“ lecker. Wir unterhalten
uns mit einem französischen Pärchen, die Frau spricht
ausgezeichnet deutsch. Von unserem Biwakplatz aus haben wir Ausblick
auf ein weites Tal, die Berge und die Bergerie de Vaccaghia, an der
wir morgen vorbei kommen. Die Sonne scheint zwischen einigen wenigen
Wolken, alles ist happy und wir freuen uns, den gestrigen Regen im
Zelt und den heutigen Nebeltag gut gepackt zu haben. Nur ganz oben
auf den Bergspitzen, die hinter uns liegen, ist alles wie am Tag
zuvor in graue Wolken gehüllt. Witz kocht noch für uns Tee,
wir essen von unseren Vorräten, es gibt die letzte Dose
Thunfisch. Am späten Abend weisen Windstille und ein schönes
Abendrot auf beständiges gutes Wetter morgen.
23.
08. Es ist wolkenlos, wir starten zur leichten 13 km-Etappe
wenig bergab, bergauf über die Campotile Ebene (1540 m)
zur großen Bergerie de Vaccaghia (1620 m), dort stehen
viele Zelte, der Gardien melkt gerade seine Ziegen. Durch ein grünes
Tal mit dicken bizarren Buchen und niedrigen Erlenbüschen geht´s
leicht aufwärts zu einer riesigen
24.
08. 7 Uhr laufen wir den Alternativweg parallel zum GR 20, die
Autostraße hoch zum Kiosk und zur Frauenstatue auf dem Col
de Verghio (1480 m). Hier sowie auf dem folgenden Zubringerweg
zum GR 20 hat man gute Panoramablicke, z. B. zum 12 km entfernten
Stausee von Calacuccia. Wir erreichen die Bergerie de Radule
(1440 m), sie schmiegt sich voll in die schöne Felslandschaft
ein. Hier treffen wir auch wieder auf den Hauptwanderweg. Wir kommen
zur Cascade de Radule (1370 m), einem schönen Wasserfall,
es folgen einladende Badegumpen. Rechts hinauf zieht sich der Weg in
ein allmählich ansteigendes Hochtal, das Golo-Tal, an
dessen Ende auf 2000 Hm schon die Refuge de Ciuttulu di i Mori
zu sehen ist, sowie unterhalb der Hütte die verlassene Bergerie
de Tula (1700 m). Unterwegs gibt es viele ineinander übergehende
Felsgumpen, die zum Baden und Verweilen einladen, sehr schön
anzusehen sind und wir haben es schwer, dürfen nicht zu lange zu
pausieren, weil es eine lange Etappe heute ist. Der Weiterweg steigt
kurz steil links hoch, um an einem kleinen Sattel den Blick auf die
Westküste freizugeben, weiter geht es gerade vor zur Mori-Hütte
mit den beiden „freundlichen“ Gardiens. Genau über
der Hütte thront rechts die Paglia Orba, die Königin
der korsischen Berge und links der Capu Tafunatu mit
dem Auge des Teufels, einem großen Loch im Felsen. Man kann
beide Berge relativ einfach besteigen, muß aber dazu noch einen
Tag hier verbringen, wir begnügen uns mit dem Anblick von unten
aus. Nach einer Stunde Erholung laufen wir über einen Hügel
hinunter zum Sattel Bocca di Foggiale (1960 m), ab hier geht
es echt steil hinab an der steinigen Flanke der Paglia Orba bis auf
1440 m hinunter. Der Pfad ist schwierig, teils über schartige
Felsrippen, Geröll und große, schräge Steinplatten.
Unten taucht der Weg in den Wald ein, traversiert den Fluss Ravin
de Paglia Orba und einige kleinere Bachtäler und
endet für uns heute in der wunderschönen Bergerie de
Ballone/Vallone (1440 m). Uns begrüßt ein junger
freundlicher Gardien herzlich, aus der Küche duftet es nach
Gebackenem, wir schlagen unser Tipi innerhalb eines der Steinkreise
auf, in denen hier die Zelte stehen, hier soll es auch massig
gefräßige Schweine geben, wir hören nachts aber
keine. Erstmals kosten wir ein kaltes süffiges korsisches
Hefeweizenbier namens Colomba, ans Maisel kommt es nicht ran, aber
man kann es trinken, es schmeckt gut (3 € der viertel Liter).
Das Zelten kostet 3,50 € und zum Abendessen bestellen wir uns
ein Omelett mit Schinken bzw. Ziegenkäse für 5 €.
Leider hat der Küchenchef kein Brot mehr zum verkaufen übrig,
es ist eine Reisegruppe da, sie bekommen Isomatten und Zelte gestellt
und ein feines Abendbrot mit „unserem“ Brot vorgesetzt.
Gleich unterhalb der Bergerie liegt das wunderschöne kleine
Flußtal des Stranciacone mit einigen Badebecken in Form
von Badewannen. 20 Uhr gehen wir schlafen, da morgen der härteste
Tag des GR 20 vor uns liegt
25.
08. Die Königsetappe beginnt für uns punkt 6 Uhr in
der Morgendämmerung. Es geht aufwärts an der modernen, neu
errichteten Thighiettu-Hütte (1640 m) mit sehr wenigen
winzigen Zeltplätzen vorbei auf gerölligem, grobfelsigem
Pfad, der sich in der Kühle des Morgens aber gut angeht, bis
hinauf auf den Felssattel Bocca Minuta (2218 m). Wir steigen
als erste heute in den berühmten Cirque de Solitude
hinunter, fast senkrecht geht es hinab in die dunkle Steinschlucht,
an zwei Stellen sind Kettensicherungen und eine Eisenleiter im Fels
verankert. Am unteren Scheitelpunkt auf 1970 m Höhe geht es dann
wieder senkrecht nach oben zur Felsscharte Col Perdu (2183 m),
zuletzt wieder mit Ketten gesichert, beim Aufwärtsklettern ist
es aber nicht unbedingt nötig, sich hier festzukrallen. Von oben
kommen uns die ersten GR 20-Nord-Wanderer entgegen, wir schaffen es
gerade noch aus dem Hexenkessel heraus. Sehr steil und auf rutschigem
Geröll klettern wir hinab zur Ruine der Refuge d´Altore
mit einer kleinen Quelle und einem Mini-See, hier ist es jetzt
verboten, zu biwakieren. Weiter unten suchen wir den Aufstieg des
alten GR 20, der über die Berggrate des Punta Culaghia
und der Bocca Culaghia in ca. 2000 m Höhe entlangführt.
Der neue kommerzielle Weg leitet die Wanderer jedoch hinunter nach
Haute-Asco (1420 m) mit seinem Riesenparkplatz, dem Hotel,
einem kleinen Camp an der Straße und vielen Tagestouristen und
es wird auch großer Wert darauf gelegt, den alten Weg nicht
mehr zu favorisieren. Um die 600 Hm hinab und morgen wieder herauf zu
umgehen, werden wir heute biwakieren müssen. Wir gehen links
einen Pfad zu zeitig den Hang hinauf, wollen zur großen
Felsscharte des vorgelagerten Gipfels, müssen ein Stück
durch das Erlengestrüpp und auf einem wilden Geröllhang
hoch klettern. An der Scharte angekommen, merken wir, dass wir hier
falsch sind, wir haben zwar eine Superaussicht, die richtige
Felsscharte aber liegt weiter oben und dazwischen gähnt uns ein
tiefes Tal an. Mit meinem Fernglas sehe ich unterhalb die weiß-roten
Markierungen des alten GR 20, wir steigen wild ab und gehen jetzt den
richtigen Weg zur richtigen Scharte (2035 m), +/- 100 Hm und
eine Stunde zusätzlich hat uns der Umweg gekostet, gerade noch
zu verkraften, hätte schlimmer kommen können. Die weißen
Markierungen des alten Weges sind an beiden Einstiegen nicht zu
erkennen, wurden wahrscheinlich absichtlich entfernt, damit keiner
mehr hier lang läuft. Oben erwartet uns dicker Nebel, obwohl den
ganzen Tag azurblauer Himmel war, wir tappen eine Stunde von Zeichen
zu Zeichen, klettern in den Wolken auf den Gipfel der Bergkette (2025
m) , es geht immer leicht bergauf und -ab. Kurz vor dem
Zusammentreffen der beiden GR 20 zieht es auf und wir sehen die
entfernten Berge in Wolken. 30 m laufen wir hoch bis zum Sattel Bocca
di Stagnu (1980 m), dort erwartet uns eine Riesenüberraschung,
die gesamten Hauptgipfel sind zu sehen, wunderbar wolkenumrahmt, eine
Fotosession ohne Ende beginnt, wir schweben. Unten ist das Hotel Le
Chalet von Haut-Asco (1420 m) zu sehen, der Zeltplatz gut gefüllt.
Ein letztes Mal noch müssen wir aufsteigen, den sechsten
Aufstieg für heute zur Felsscharte im Muvrella-Massiv
(2025 m), ab hier geht es nur noch hinab, aber der Weg verlangt noch
mal volle Konzentration von uns, nach 12 Stunden Wanderung nicht so
einfach. Endlich angekommen am Ufer des trübgrünen Sees
Lac de Muvrella (1840 m), wir genießen den herrlichen
Sonnenuntergang, den blauen Himmel, die Berge, die von Wolken
umflossen werden. Wir bauen unser Zelt auf, essen das letzte Brot und
sinken erschöpft, aber glücklich in unsere Schlafsäcke.
Im Tal am westlichen Meersufer gehen die Lichter von Calvi an, bei
uns gehen sie aus.
26.
08. 6 Uhr 30 steigen wir abwärts über große
Felsplatten ins Spasimata-Tal, weiter unten mehrmals an
glatten Stellen mit Seilen versichert, die aber bei trockenem Wetter
ignoriert werden können. An der tiefsten Wegstelle (1220 m)
führt uns eine stabile Stahlhängebrücke sicher
an das rechte Ufer des Baches, bis zur Carozzu-Hütte
(1260 m) sind es nur noch ein paar Schritte. Hierher führt auch
der Alternativeinstieg zum GR 20 von Bonifatu (540 m) aus herauf für
die Wanderer, die die schwierige zweite Etappe weglassen. Aus
unserem geplanten Frühstück und Brotkauf an der Hütte
wird leider nichts, weil uns die junge impulsive Hüttenbetreuerin
primitiv beschimpft, weil wir am Lac de Muvrella genächtigt
hätten, obwohl sie es gar nicht wissen konnte, auch steht oben
kein Verbotsschild am See. Witz, wir gehen, als erfahrene
Bergwanderer müssen wir uns das nicht sagen lassen. Ohne Brot,
aber mit etwas Wut im Bauch steigen wir die nächsten Stunden in
vielen Kehren empor zum ersten Sattel Bocca ou Innominata
(1890 m), machen unser Frühstück an einer verlassenen
Hüttenruine am Weg. Hier oben liegt ein bizarres
Felsenamphitheater, der Cirque de Bonifatu, den wir
anschließend umrunden werden. Die Felsformationen hier oben im
Norden bestehen aus Vulkangestein, eine vielseitige zergliederte
bizarre Landschaft liegt vor uns. Es geht steil bergauf, auf
teilweise happigen Kletterpassagen geht es um die Vulkanfelsen herum,
ständig hoch und runter, wir kommen ins Schwitzen, ebenso die
uns entgegenkommenden GR 20-Einsteiger, alle noch ein bisschen
blässlich, aber meist gut drauf fragen sie, wie weit es noch bis
zur Carozzu-Hütte ist. Einen guten Aussichtspunkt erreichen wir
mit der Bocca Pisciaghia (1950 m), gehen am östlichen
Hang der Punta Ghialla entlang und erreichen nach Überqueren
eines breiten Geröllhangs unseren Abstiegssattel am Capu
Ladroncellu in 2050 m Höhe. Wir genießen letztmalig
den wolkenlosen Blick auf die höchsten Berge des Nordens, die
Paglia Orba mit dem von hier aus an das Matterhorn erinnernden Capu
Tafunatu, sowie den Höchsten, den Monte Cinto. Wir beginnen den
Abstieg ins Tal zu unserer letzen Berghütte, der Weg führt
uns über riesige Felsblöcke, an einer winzigen Quelle
vorbei, über einen Bach auf die rechte Talseite zu den Ruinen
der Bergerie Mandriaccia. Von hier steigen wir nochmal 100 m
hoch, über eine flache Bergkuppe (1550 m) erreichen wir in einem
Nebental endlich die in der Abendsonne hellblau strahlende Refuge
d´Ortu di u Piobbu in 1560 m Höhe. Wir schlagen
unterhalb unserer letzten Hütte unser Lager auf, genießen
seit langem wieder eine kalte Dusche, gehen noch in die Hütte,
Witz kocht uns Tee und wir bestellen einen Teller Makkaroni mit
Basilikum und Olivenöl für 8,50 €. Der Sonnenuntergang
über dem Meer ist wundervoll, unsere letzte Nacht in den Bergen
bricht an, gute Nacht, Witz, wir haben es bald geschafft.
27.
08. Unsere letzte Etappe bricht an, heute steigen wir ins Tal
nach Calenzana, unserem Zielort ab. Gegen 7 Uhr laufen wir los, um
einen Talkessel herum kraxeln wir auf die rechte Seite des
Berghanges, es geht auf und ab auf ungefährer Höhe der
Hütte, über einen Berggrat hinweg zur Bocca di
Bassiguellu. Dann steil und schwierig abwärts, ein
zerrissenes Drahtsicherungsseil zeugt vom Kampf eines Gr
20-Kletterers gegen die Schwerkraft, der hoffentlich zu seinen
Gunsten ausgegangen ist. Weiter unten liegt ein schönes
Bergplateau, die Bocca a u Salutu (1276 m), wo einige uns
entgegenkommende Wanderer ihre erste große Rast einlegen. Ab
hier werden die Wege schnuckelig, es geht auf langen Serpentinen
abwärts unter dicken Kiefern und durch Macchia-Gestrüpp,
weiter unten an angekokelten Esskastanienriesen, wilden,
gutschmeckenden Brombeeren vorbei, wir sehen unser Ziel immer näher
rücken. Ganz im Hintergrund leuchtet die Zitadelle von Calvi. In
550 m Höhe trifft der Weg Tra Mare e Monti, der über
Galeria ans Meer nach Cargese führt, auf den GR 20. Schließlich
ist es vollbracht, wir erreichen wohlbehalten den Ortseingang von
Calenzana (300 m), machen das obligatorische Zielfoto und
rücken ein in die „Snackbar GR 20“, begießen
unseren Erfolg mit korsischem Hefeweizen, sind alle beide glücklich.
Nach der Ortsbesichtigung fahren wir 15 Uhr mit dem Bus für 6 €
nach Calvi. Wir haben die drei jungen Wanderer Tobi, Henning
und Arne vom ersten Tag wiedergetroffen, auch sie haben heute den
kompletten GR 20 beendet, sie geben uns den Tip, mit auf den kleinen
gemütlichen „Camping International“ zu
kommen, der in direkter Stadt- und Strandnähe liegt und
preiswerter ist als die großen Touristen-Zeltplätze, für
eine Nacht bezahlen wir 5,70 € pro Person. Wir lassen uns
nieder, gehen gleich noch in die große Casino-Kaufhalle schräg
gegenüber, uns fallen die Augen raus beim Anblick der vielen gut
gefüllten Regale mit den lange entbehrten leckeren Sachen, wir
kaufen ein wie die Männer und am Abend essen wir uns erstmal
richtig satt. Das Baden im flachen warmen Meer mit
Calvi-Zitadellen-Blick ist ein extra Schmankerl. Abends trinken wir
noch eine Flasche Cidre auf unsere gelungene Tour, zusammen mit
unseren drei jungen Nachbarn, die uns noch zu einem Roséwein
einladen, heute bleiben wir bis 23 Uhr auf, die Nacht ist herrlich
warm.
Gesamter Reisebericht als
PDF-Datei mit An- und Abreise zum Ausdrucken (ohne Bilder).
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